Ingrid Bösch (Villingen-Schwenningen)

090109_Ingrid Bösch_VillingenIngrid Bösch, 1943 in Villingen geboren, lebt seit 16 Jahren in der Hammerhalde. In Ihrer Jugend besuchte Sie die Gewerbeschule, wo Sie eine Lehre als Bauzeichnerin abschloss. 2006 gründete Sie den Loretto Treff, wo Menschen die Möglichkeit haben gemeinschaftlich aktiv zu sein, Freundschaften aufzubauen und ein Gemeinsamkeitsgefühl zu entwickeln. In demselben Jahr ist sie ebenso Bürgermentorin geworden. Seit 2007 ist sie Vorstandsvorsitzende von Ward 25 – Hilfe für Sri Lanka, wo sie seit mehreren Jahren aktiv mitwirkt.

 

meinsbh.de: Wieso war es für Sie von großer Bedeutung sich ehrenamtlich sozial zu engagieren und woher haben Sie den Willen dafür aufgebracht?

Ingrid Bösch: Als Jugendliche hatte es mir großen Spaß gemacht, aktiv im DRK zusammen mit anderen Engagierten zu arbeiten. Diese positive Erfahrung war für mich Grund genug, um in dieser Richtung meinem künftigen „Seniorenleben“ einen Sinn zu geben. Da ich mit Überzeugung bei dieser Arbeit dabei bin, braucht es nicht einen besonderen Willen dazu.

meinsbh.de: Wie kamen Sie zu der großartigen Idee den Loretto Treff zu gründen?

Ingrid Bösch: Anlass war der Bürgermentoren-Kurs. Er wurde von der VHS Villingen-Schwenningen angeboten, unter der Leitung von der damaligen VHS-Chefin Dr. Christel Pache und Annette Hug-Kalisch vom Amt für Familie, Jugend und Soziales. Ich nahm an diesem Kurs teil, um eine Übersicht zu bekommen über Möglichkeiten des Bürgerschaftlichen Engagements hier in Villingen-Schwenningen. Die Idee entstand während eines sehr inspirierenden Besuches unserer Kursteilnehmer in der „Wirkstatt“ in St. Georgen. Und diese Idee habe ich auch dort spontan verkündet. Das war die Geburtsstunde vom Loretto-Treff Hammerhalde.
 
meinsbh.de: Was hat sie am meisten positiv nach der Gründung des Loretto Treffs überrascht und erfreut? Haben Sie erwartet, dass das Projekt so gut gelingt?

Ingrid Bösch: Die Resonanz war und ist umwerfend. Ich hatte nicht erwartet, dass das Interesse so groß ist. Überraschend auch, dass so viele bereit sind mitzuhelfen bzw. eigenverantwortlich selbst Veranstaltungen anzubieten.

meinsbh.de: Was brachte Sie dazu auch bei Ward 25 aktiv zu werden?

Ingrid Bösch: Die zufällige Bekanntschaft mit dem damaligen Vereinsvorsitzenden auf einem Rückflug aus einem Urlaub in Sri Lanka. Ich war begeistert von der Idee, mit wenig Geld so viel in Sri Lanka erreichen zu können. Das war 2002. Seit dieser Zeit habe ich Ward 25 – Hilfe für Sri Lanka – als eine äußerst effizient arbeitende Hilfsorganisation kennen gelernt, die vor allem Patenkinder vermittelt, aber auch – vor allem im Landesinnern – viele Projekte initiiert . Die Spenden gehen zu 100 % nach Sri Lanka. Dort arbeiten sehr engagierte Einheimische, um die Armut mit dem Geld aus Deutschland zu lindern. 2007 fiel der 1. Vorsitzende von Ward 25 krankheitsbedingt aus. Ich hatte die Jahre zuvor bereits im Vorstand mitgearbeitet, deshalb war durch meinen Vorsitz eine kontinuierliche Weiterführung unserer Vereinsarbeit gegeben.
  
meinsbh.de: Als Vorstandsvorsitzende haben Sie sicherlich ein besseres Bild über die Armut und die sozialen Probleme in Sri Lanka und werden öfters über Probleme auf der Insel informiert. Inwiefern hat dies einen Einfluss auf Ihr Leben genommen?

Ingrid Bösch: Seither ist mir klar geworden, dass es nicht selbstverständlich ist, dass es uns hier so gut geht. Wie lautet noch der Spruch: „Wir klagen auf hohem Niveau!“
Auch die Gelassenheit der Menschen dort lässt bei mir Spuren zurück – wenn auch leider nicht dauerhaft.
Und ganz entscheidend: es ist für mich ein gewaltiger Unterschied, ob ich ärmste, bedürftige Menschen vor Ort begegne, das geht viel mehr unter die Haut als wenn ich sie im Fernsehen sehe.

meinsbh.de: Haben Sie schon positive Auswirkungen Ihres Engagements bemerkt, über die Sie sich sehr erfreuen? Was ist für Sie das Besondere am sozialen Engagement in Ihrer Gesellschaft?

Ingrid Bösch: Positive Auswirkungen gibt es viele: Hier in der Hammerhalde bekomme ich immer wieder die Rückmeldung, dass der Loretto-Treff eine tolle Sache ist. Es wurden schon viele Bekanntschaften geschlossen, das Kursangebot wird sehr gerne angenommen, mittlerweile haben sich Gruppen zusammengetan, die eigen initiativ Unternehmungen planen.
Dies, aber auch die Unterstützung durch die vielen Aktiven sind für mich Bestätigung, dass die Bewohner – wie man mir sagte – darauf gewartet haben, dass so was organisiert wird. Und seit ich persönlich auch viele Menschen hier kennen gelernt habe, fühle ich mich hier heimisch.

Auch durch Ward 25 erfahre ich viel Positives. Wir Vorstandsmitglieder sind mit Begeisterung bei der Arbeit, dieses Gefühl der Gemeinsamkeit ist eine echte Bereicherung für mich. Und in Sri Lanka gibt es nichts Schöneres, als in strahlende Kinderaugen – und auch die ihrer Eltern – zu schauen. Wir bekommen dadurch mehr zurück als wir geben!
meinsbh.de: Was planen Sie für Ihre weitere Zukunft?

Ingrid Bösch: Auch künftig wird mir meine Arbeit in einem Architekturbüro großen Spaß machen. Deshalb werde ich mich aber nicht weniger sozial engagieren. Im Gegenteil: Im Frühjahr beginnt die Weiterbildung als Bürgermentoren-Trainerin. Im Herbst ist ein Bürgermentoren-Kurs in VS geplant in Zusammenarbeit mit Ines Hädrich vom Amt für Familie, Jugend und Soziales und mir. Dadurch erhoffe ich mir eine besondere Breitenwirkung für die Realisierung von Bürgerschaftlichem Engagement. Es gibt viele Menschen, die gerne etwas für sich und andere tun möchten, aber nicht richtig wissen, was ihnen entsprechen könnte. In diesem Kurs haben sie die Möglichkeit, sich zu orientieren.
Jetzt aber steht die Reise nach Sri Lanka an. Ich werde zusammen mit einer Patin aus VS und unserer Freunde der Schwesternorganisation „Ward 25 Group“ die Patenkinder treffen und die vielen Projekte besichtigen, die vergangenes Jahr realisiert wurden. Eine anstrengende Reise, aber die vielen Begegnungen mit den freundlichen Menschen werden die Strapazen vergessen lassen.


Dieses Interview wurde von Suzana Vrucinic im Rahmen einer Projektarbeit der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Furtwangen am 09.01.09 per Email geführt.

Kontaktadresse: Ingrid.Boesch@t-online.de

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