Ehepaar Lichte (Villingen-Schwenningen)

081209_Ehepaar Lichte_VillingenUlrike und Dr. Karl Henning Lichte sind in der Gemeinde Villingen-Schwenningen ehrenamtlich im Bereich Kinder & Jugend und Familie sozial engagiert. Sie bieten über das Kinder- und Familienzentrum Programme für Kinder und Beratungshilfen für Eltern im KiFaz Treff im Schwenninger Jugendhaus an. Nach Gründung des KiFaz Treff vor 3 Jahren organisiert Frau Henning die Treffs und ist für die Personalbetreung sowie für den Kontakt mit Behörden verantwortlich. Sie sind ebenso gegen Kinderarmut in unserer Region aktiv und versuchen mit Mithilfe von anderen Mitgliedern der Organisation ‚Täglich Brot für Kinder’ dagegen anzustreben. Dr. Lichte ist Kinderarzt. Im Ausschuss für Bildung und Soziales, im Jugendausschuss von Kreistag und Gemeinderat, sowie in der Arbeitsgemeinschaft Familie und Gesellschaft und im Aufsichtsrat der Schwarzwald-Baar-Klinik und in vielen anderen Ausschüssen des Gemeinderates (VHS und Bibliothek, Galeriebeirat, Museumsbeirat, Schulentwicklungsplan, ÖPNV, Mobilfunk) ist er des Weiteren tätig.

Das Ehepaar Lichte und Ihre 4 Söhne leben seit 1975 in Villingen Schwenningen. Ulrike Henning war als Medizin Technische Assistentin die Seele der Praxis, sie hat nicht nur das leidige kaufmännische übernommen, sondern war auch immer für die kleinen und großen Sorgen zuständig. 2004 haben sie die Praxis an einen jüngeren Kollegen übergeben.

 

meinsbh.de: Warum war es für Sie von großer Bedeutung sich ehrenamtlich sozial zu engagieren?

 

Ulrike u. Dr. Karl Henning Lichte: Das ergab sich so, war nicht geplant. Nach der Rente Ende 2003 habe ich im KiFaz ehrenamtlich mitgearbeitet, zu dem ich schon immer eine enge Beziehung hatte, meine Frau hat die Tafel Schwenningen mitbegründet.

Ihre Idee war es einen Treffpunkt für Familien mitten in Schwenningen zu begründen, nachdem sie Ähnliches in Berlin gesehen hatte. Der Rest hat sich einfach entwickelt. Manches ergab sich mit der Frage „Frau Lichte haben Sie mal Zeit für mich“. Beratungen, Unterstützung bei Kontakten mit Behörden und ein inzwischen dank großer Unterstützung aus der Bevölkerung gut funktionierendes System Kleider, Spielzeug und Gebrauchsgegenstände für Kinder zu sammeln und weiterzugeben waren die Folge. Hauptsache aber ist, dass Mütter, Väter, und sonstige Familienangehörige sich bei Kaffee und Kuchen treffen können und die Kinder betreut werden, was „geboten“ kriegen.

Viele Kontakte auch untereinander sind entstanden.

 

meinsbh.de: Was war der Grund, als Schwerpunkt ihres Engagements ‚Kinder, Jugend und Familie’ auszuwählen? Ist die Familie ein ausschlaggebendes Element, um unsere Gemeinde aufrechtzuerhalten?

 

Ulrike u. Dr. Karl Henning Lichte: Schon im Beruf war das Thema Nr. 1 im Alltag. Wir mussten immer wieder erfahren welche Probleme Kinder und Familien in der heutigen Zeit haben. Jetzt hatten wir Zeit, Dinge zu verändern…

Unserer Meinung nach ist die Familie Keimzelle der Gesellschaft, auch die Zukunft dieser Gemeinde ist darin begründet, dass es Familien gut geht.

 

meinsbh.de: ‚Täglich Brot für Kinder’ ist eine Initiative des Kinder- und Familienzentrums um armen Kindern aus der Not zu helfen. Ist Kinderarmut ihrer Meinung nach ein schwerwiegendes Problem in unserer Region? Was sind Gründe dafür?

 

Ulrike u. Dr. Karl Henning Lichte: Natürlich haben wir das Glück in einer relativ gut aufgestellten Region zu leben, aber auch hier gibt es zu viele Familien, die materielle Sorgen haben, auch hier sind Kinder ein Armutsrisiko. Unser Motto ist, wenn es Kindern gut gehen soll, müssen wir die Situation der Eltern verbessern und das gilt nicht nur für materielle Armut.

 

meinsbh.de: Was wäre Ihrer Meinung nach der beste Weg und von großer Bedeutung, Kindern in Armut ein schöneres Leben in unserer Region zu ermöglichen? Was wurde bereits dafür getan?

 

Ulrike u. Dr. Karl Henning Lichte: Es geht nicht nur um die Kinder in materieller Armut, es geht um die Rechte der Kinder überhaupt. Viele Erwachsene haben noch gar nicht erkannt, dass Zukunft ohne Kinder nicht funktioniert, Kinder und Familien brauchen mehr Freiräume. Familien brauchen mehr Unterstützung und Anerkennung. Kinder dürfen nicht weiter finanzielle Belastung sein. Kostenlose Bildung von Anfang an, also von der Kleinkindbetreuung an, sollte die Regel sein. Usw.

 

meinsbh.de: Das Kinder und Familienzentrum bietet viele verschiedene Hilfen und Betreuungen für Jugendliche und Familien an. Welchen positiven Effekt auf unsere Gesellschaft haben die Hilfsprogramme?

 

Ulrike u. Dr. Karl Henning Lichte: Das Kinder und Familienzentrum unter Leitung von Klaus Hess hat in den letzten Jahren ein umfangreiches Netzwerk aufgebaut, dass auch sehr gut funktioniert.

Wichtig ist, dass Familienunterstützung nicht zum Reparaturbetrieb verkommt, sondern, dass Perspektiven für eine zukunftsfähige Arbeit mit und für die Familien aufgebaut werden. Hier sind die Programme in Kindertagesstätten und Ganztagsschulen wichtiger Ansatz und niederschwellige Angebote für Familien, die signalisieren, hier ist ein Platz für Kinder, sollten die Regel werden.

 

meinsbh.de: Das Netzwerk ‚frühe Hilfe’, welches den Aufbau von Eltern – Kind -Beziehungen unterstützen soll, erhielt vom Jugendausschuss großen Lob. Ist ein solches Programm eine effiziente Prävention um die Anzahl der Hilfsbedürftigen, die im Kinder – und Familienzentrum Hilfe suchen, zu vermindern?

 

Ulrike u. Dr. Karl Henning Lichte: Die Probleme sind erkannt, das Netzwerk ist eine Chance, aber entscheidend wird sein, die Menschen in das Netzwerk einzubinden.

Aber Hilfen müssen nicht nur materieller Natur sein. Die beteiligten Beratungsstellen allein reichen nicht aus, das aufsuchende Prinzip muss verstärkt werden. Alle Menschen die mit Familien zu tun haben, sollten eingebunden werden. Ein gutes Beispiel ist die Familienhebamme Hildgund Hilt die zahlreiche junge Mütter u.a. in einem Teeniemütter- Treff betreut. Auch die Elternschule, die vom Kreistag an der Kinderklinik in Villingen gegründet wurde ist eine gute Chance. Gerade in Zeiten der Kleinfamilie und inkompletten Familien haben junge Eltern zu wenig Erfahrung, sind zu unsicher. Aufgabe ist u.a. Erfahrungen, Wissen zu vermitteln über die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Kinder, Ziel wäre ein „Elternführerschein“ Das kann aber auch nur ein Baustein sein.

 

meinsbh.de: Sie als freie Wähler legen ebenso Wert auf viele junge Wähler. Was ist der Grund dafür?

 

Ulrike u. Dr. Karl Henning Lichte: Die kommunalpolitischen Gremien sind hier eher ein Senat, ein Rat der Alten. In meiner Fraktion bin ich mit 65 Jahren der zweitjüngste. Bei den Parteien sieht es ähnlich aus. Um für die Zukunft fit zu sein, brauchen wir aber neben der Erfahrung der Alten auch das Wissen und den Elan der Jungen. Bei der Kommunalpolitik sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen

und nicht irgendwelche Ideologien. Erschüttert hat mich die Wahlbeteiligung von 2004 in Schwenningen 35 %. Ich denke die Jungen sollten ihre Zukunft mehr mitgestalten, also brauchen wir mehr junge Kandidaten und vielleicht gibt es dann auch mehr jüngere Wähler.

So kann es gelingen den übermäßigen Bürokratismus auch in unseren Verwaltungen einzudämmen. Denn die Kommune ist für den Menschen da und nicht die Menschen für die Kommune.

 

 

meinsbh.de: Was sind Ihre Pläne und Wünsche für die Zukunft?

 

Ulrike u. Dr. Karl Henning Lichte: Natürlich Gesundheit und dass es uns gesundheitlich weiter so gut geht wie bisher, vielleicht noch ein bisschen besser, unserem tollen, ersten Enkelkind Anna könnten noch viele weitere folgen und für unsere Region wünschen wir, dass die Bedingungen und Chancen für Kinder, Jugendliche und Familien noch besser werden, nur so bleiben wir zukunftsfähig.

 

 

Dieses Interview wurde von Suzana Vrucinic im Rahmen einer Projektarbeit der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Furtwangen am 09.12.08 per Email geführt.

 

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