Michael Kopp (Villingen-Schwenningen)
Michael Kopp, 1951 in Schwenningen geboren, ist Vorstandsvorsitzender des Förderkreises ‚lebendiges Uhrenindustriemuseum’ in Villingen-Schwenningen. Er besuchte das Wirtschaftsgymnasium in Villingen. Seine Familie ist seit mehr als 100 Jahren in der Uhrenfertigung tätig. Seit 1994 ist er auf die Herstellung und den Vertrieb von Werbeuhren spezialisiert. Mit Cornelia Kopp zusammen führt er dieses Unternehmen unter dem Namen ‚promo-watch’, davor verkaufte er Uhren.
meinsbh.de: Wie kamen Sie zu der Entscheidung, sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Werbeuhren zu spezialisieren? Was war für Sie das Besondere daran?
Michael Kopp: Es war die Erkenntnis, dass der klassische Uhrengroßhandel wenig Zukunftschance hatte.
Luxus-Uhren werden heute direkt vertrieben, Billiguhren über fachfremde Kanäle mit Direkteinkauf in Fernost. Das Besondere an Werbeuhren ist die kreative Komponente. Es muss für jeden Kunden, für jede Situation eine individuelle Lösung gefunden werden, wo die Uhr als Verstärkung eines Webeeffekt eingesetzt wird.
meinsbh.de: Was war der Grund, dass sie das Uhrenindustriemuseum als Themengebiet für Ihr ehrenamtliches Engagement ausgewählt haben?
Michael Kopp: ich mit der hiesigen Uhrenindustrie, die nicht mehr existiert, sehr stark verbunden bin und von dieser Industrie auch gelebt habe. Darüber hinaus ein allgemeines Interesse an Geschichte und vor allen Dingen an Wirtschaftsgeschichte.
meinsbh.de: Wieso ist das Uhrenindustriemuseum so außergewöhnlich?
Michael Kopp: Im Museum ist exemplarisch eine komplette Uhrenfabrik aufgebaut.
Es ist ein lebendiges Museum, in dem die Maschinen laufen.
Es ist noch die letzte Herstellungsstätte eines mechanischen Weckers in Europa.
Das Museum wurde und wird sehr stark durch ehreamtliches Engagement (Geld und Arbeit) durch die Bevölkerung getragen.
Weil das Museum so außergewöhnlich ist, wurde es im Jahre 2003 vom European Museum Forum als das beste Technikmuseum in Europa ausgezeichnet.
meinsbh.de: Inwiefern charakterisiert es unsere Region?
Michael Kopp: Unsere Region lebte fast komplett von der Uhrenindustrie und ihren Zulieferern. Es gibt für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und für das 20. Jahrhundert keinen anderen Industriezweig und auch keine Institution die das Leben, Arbeiten und vor allen Dingen das Denken in unserer Region mehr beeinflusste.
meinsbh.de: Ihre Überlegung, die Industriemuseen und Einrichtungen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zu vernetzen und eine Industriestraße zu eröffnen ist aufgrund von Potential in unserer Region realisierbar .Was ist das Ziel dieser Idee und inwiefern ist sie ausgereift?
Michael Kopp: Die Idee steht ganz am Anfang und muss mit Partner in der Region wie z.B. das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen weiter entwickelt werden. Das Ziel ist letztendlich die Schaffung einer Marke „Schwarzwaldtourismus“, die die historische und kulturelle Bedeutung der jahrhundertealten Industriegeschichte zur Seele hat und weitergeht als Schwarzwälder Kirschtorte und Bollenhüte, die im Übrigen nicht verschwinden sollen.
meinsbh.de: Letztes Jahr wurden im Schwenninger Uhrenmuseum 140 Wecker verkauft, so viel wie noch nie. Was könnte Ihrer Meinung nach der Grund dafür gewesen sein?
Michael Kopp: Ein Grund ist einfach die Sonderedition zu „100 Jahre Stadtrecht Schwenningen“ das wir 2007 gefeiert haben. Die Edition war auf 100 Stück limitiert und in 6 Woche ausverkauft.
meinsbh.de: Die Uhren wurden von Ehrenamtlichen produziert. Woher stammt die Motivation der ehrenamtlichen Senioren? Haben sie einen Bezug zu dem Uhrenindustriemuseum?
Michael Kopp: Ich sage immer wieder: „ Wer einmal mit Uhren zu tun hatte, kommt nicht mehr weg.“ Und so ist es auch mit den Ehrenamtlichem, die alle in der Uhrenindustrie tätig waren und eine ganz starke Affinität zu Ihrem ehemaligen Berufsleben haben. Die Motivation kommt einfach aus Liebe zum ausgeführten Beruf.
meinsbh.de: Die Landesgartenschau erwartet viele Besucher. Was erhoffen Sie sich durch die Touristenbesuche im Bezug auf unsere Region und das Uhrenindustriemuseum (o. die Industriestrasse)?
Michael Kopp: Es werden mindestens 750.000 Besucher nach VS kommen. Die Stadt wird sich im positiven Licht darstellen. Ich denke, dass viele Besucher merken werden , dass Villingen-Schwenningen nicht so schlecht ist, wie of dargestellt. Sie weden positiv überrascht sein. Diese Besucher werden wieder kommen und dann vielleicht und hoffentlich das Uhrenindustriemuseum besuchen. Die Landesgartenschau wird selbstverständlich im Jahr 2010 einige Besucher ins Museum bringen. Ich denke aber viel wichtiger ist die langfristige Wirkung, wenn wir uns als zukunftsorientierte und sehr lebens- und erlebenswerte Stadt darstellen. Davon werden alle Institutionen profitieren.
meinsbh.de: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich werde mich weiterhin für die Erhaltung unserer jahrhundertealten industriellen Kultur einsetzen. Möglichkeiten dazu gibt es sehr viele.
Addresse: Michael.kopp@promo-watch.de
Tel 07720-31971
oder abends 07720-22065
