Horst Dinges (Rottweil)

081212_Horst Dinges_RottweilHorst Dinges wurde 1972 in Heilbronn geboren und wuchs in Hardt, Schramberg, Tennenbronn, Mariazell…auf. 1996 führte er im Studententheater in Leipzig das erste Mal Regie und sein erster Schauspielauftritt fand 2000 im Zimmertheater in Rottweil statt. Horst Dinges übernahm Theaterrollen in Werken von Shakespeare, Brecht, Goethe, Lessing und vielen mehr. Zurzeit lebt der Schauspieler und Regisseur Horst Dinges in Rottweil.


meinsbh.de: Sie haben Theaterwissenschaft und Kommunikations- & Medienwissenschaft studiert. Wie wurde damals Ihr Interesse am Theaterspiel geweckt?

Horst Dinges: Am Spiel erst sehr viel später als an der Regie. Ich war schon während der Schulzeit an den Vorgängen hinter der Bühne interessiert, weil ich das Aufbauen von Phantasiewelten liebte. Ich kann nicht einmal mehr genau sagen, was letztlich den Ausschlag gab. Ich erinnere mich noch, wie ich in der 7. Klasse in einem Schulstück über die Nibelungensage den Siegfried spielte und mich fürchterlich blamierte. Aber mein Interesse an der Bühne blieb viele Jahre lang sehr groß.

meinsbh.de: Was hat Sie davon überzeugt, den Weg als Schauspieler und Regisseur einzuschlagen?

Horst Dinges: Eine hervorragende Frage, die ich leider nicht so einfach beantworten kann. Wahrscheinlich lag es daran, dass viele meiner Schulfreunde immer davon sprachen, in ihrem Leben etwas Eigenes machen zu wollen. Aber ich bin heute noch erstaunt, dass ich es wirklich durchgezogen habe.

meinsbh.de: Nachdem Sie 2003 nach München zogen und von 2006 bis 2008 in Nürnberg lebten, haben Sie sich wieder in unserer Region angesiedelt. Was gefällt Ihnen im Schwarzwald–Baar-Kreis besonders gut?

Horst Dinges: Die Überschaubarkeit und der kleine Kreis kulturell interessierter Menschen bieten eine Art Nestwärme, die ich genieße. In meinem Beruf komme ich viel in der Gegend herum, gastiere in ganz Baden-Württemberg und freue mich immer, wenn ich in die Heimat zurück komme. Vorort mag ich es, mich in meinem Berufsleben durchbeißen zu müssen. Natürlich kann man das auch andernorts. Aber ich habe eben auch noch einige Kontakte aus meiner Jugend, die sich dann und wann bezahlt machen.

meinsbh.de: Welche Art von Drama lässt Sie auf der Bühne am Besten in eine Rolle schlüpfen?  (Tragödie, Komödie etc. …?)

Horst Dinges: Ich selbst liebe alle Rollen, die viel von einem Schauspieler verlangen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es sich um einen Schwank oder eine Tragödie handelt. Außerdem gefallen mir Rollen, die mit Erwartungen in positiver Weise brechen und Zuschauer überraschen. Der tragische Moment in einer Komödie oder der Witz in einer Tragödie ist etwas ganz Eigenes.

meinsbh.de: Das Medley ‚Man braucht nur Mut und ein paar Lügen’ gehört zu Ihren aktuellen Aufführungen. Was ist das Besondere an einem Medley, dass es die Zuschauer fesselt?

Horst Dinges: Nun, zunächst einmal ist es ein Wort, das anders klingt als Ein-Mann-Theater, das ja nach schwerer Kost riecht. Aber vor allem ist es die Tatsache, Stücke alter Autoren so zu mischen, dass daraus eine ganz neue, witzige Nummer wird, die eben nicht nur banal ist, wie es oft von Comedy-Künstlern angeboten wird. Dabei sind die Zutaten im Grunde dieselben. Im Theater gibt es schon seit den Anfängen nichts wirklich Neues mehr. Die Kunst ist es, das Spiel immer neu auf die Zuschauer abzustimmen.

meinsbh.de: Was ist Ihrer Meinung nach bei einer Vorführung wichtig, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer nicht zu verlieren?

Horst Dinges: Theater ist im Grunde ein Handwerk und braucht die entsprechenden Berufskenntnisse. Im Ablauf sollte eine Handlung dem rasanten Tempo, das wir heute leben entsprechen können und trotzdem verständlich bleiben. Rasche Wechsel und Wendungen in der gedanklichen Ausrichtung des Stücks (sofern der rote Faden sichtbar bleibt) helfen dem Schauspieler, die Zuschauer zu führen.

meinsbh.de: Als Regisseur übernehmen Sie Verantwortung für die künstlerische Gestaltung eines Projekts. Worauf achten Sie bei der Gestaltung insbesondere? Welche kleinen Funktionen machen aus der Bühne einen lebendigen Schauplatz?

Horst Dinges: Eine gute Frage, die sich leicht beantworten lässt. Wenn man ein aufwendiges Theaterstück in einem richtigen Theaterhaus nimmt, und nacheinander Details entfernt, findet man es sehr leicht heraus.
Ohne Bühnenbild kann Theater erfahrungsgemäß funktionieren. Ohne ein Haus ist es Freilichttheater, ohne Requisiten minimalistisch bis pantomimisch, ohne Kostüme heutig (private Kleidung) oder leidlich provokant (nackt). Ohne Lichtstimmungen ist es auch noch Theater. Aber ohne Schauspieler ist es kein Theater. Er ist das A und O des Theaters. Versagt er, fällt das Theater durch. Einen zweiten Versuch, wie im Film, gibt es im Theater nicht.
Je nach Stück ist es natürlich unterschiedlich, was der Regisseur als Zutaten benutzt und was er hervorhebt. Ich inszeniere genauso gern aufwendig mit Licht, Kostüm, Toneinspielungen und Bühnenbild, wie ich ein Stück vor einer kahlen Wand mache. Es muss nur in sich stimmig sein und sich im Charakter des Werks und der Inszenierung widerspiegeln.

meinsbh.de: Sie haben schon etlichen Werke, wie Woyzeck, Don Juan, Mephistopheles…, inszeniert. Was gefällt Ihnen an diesem künstlerischen Akt?

Horst Dinges: Die Erschaffung einer ganz eigenen Welt und das Verlebendigen von kahlen Worten.

meinsbh.de: Was sind Ihre Pläne für die nächsten Jahre?

Horst Dinges: Konkrete private und berufliche Pläne gibt es viele. Die Zukunft wird zeigen, welche sich verwirklichen lassen. Ansonst gilt: Künstlerisch auf dem Boden bleiben und dennoch vorankommen.


Dieses Interview wurde von Suzana Vrucinic im Rahmen einer Projektarbeit der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Furtwangen am 12.12.08 per Email geführt.

Horst Dinges, Schwenningerstr 2, 78628 Rottweil; E-Mail: horstdinges@gmx.de

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