Markus Heinzelmann (Villingen-Schwenningen)

090116_MarkusHeinzelmann_SchwenningenMarkus Heinzelmann ist 1965 in Basel, Schweiz geboren.  Ein Feuerwehrmann mit Leib und Seele hatte mehrere Aus- und Weiterbildungen zum Berufsfeuerwehrmann gemacht.  Seit 2003 ist er  Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Villingen-Schwenningen.  Er ist ein sehr engagierter Bürger seiner Stadt und begrüßt die kommende Landesgartenschau 2010 in Schwenningen.


meinsbh.de: Viele Kinder wollen zur Feuerwehr gehen. War das auch Ihr Wunsch von
Kindheit an?

Markus Heinzelmann: Das kann man so sagen. Mein Onkel war Zugführer bei der Berufsfeuerwehr
Graz (Österreich), da habe ich einen Einblick in die Feuerwehrarbeit
bekommen. Ab meinem 6. Lebensjahr war es der Höhepunkt in den
Sommerferien meinen Onkel einen Tag lang auf der Feuerwache zu besuchen.

meinsbh.de: Sind Sie als Kommandant der Feuerwehr auch noch selbst bei den  Einsätzen aktiv dabei?

Markus Heinzelmann: Das gehört bei Einsätzen ab einer bestimmten Größenordnung dazu. Auch
bei Einsätzen bei denen das Stichwort “Menschenleben in Gefahr” fällt,
bin ich mit dabei.

meinsbh.de: Sie haben als Rettungsassistent gearbeitet. Bleibt man nach den
Einsätzen mit den Geretteten im Kontakt?

Markus Heinzelmann: Nein, das wäre auch nicht professionell. Die Betroffenen sollen sich
hier zu nichts verpflichtet fühlen. Bei Personen mit sehr schwerem
Verletzungsmuster versuchen wir schon mal, über das behandelnde
Krankenhaus, den positiven Verlauf der Behandlung herauszufinden. Jedoch
bekommen wir aus Datenschutzgründen meist keine Antworten.

meinsbh.de: Wie lange hat Ihr längster Einsatz gedauert?

Markus Heinzelmann: Das war wohl 2006, der Hagelsturm über Villingen-Schwenningen. Der
Einsatz zog sich über 10 Tage, wobei ich die ersten 60 Stunden nicht
geschlafen habe.

meinsbh.de: Ist die Häufigkeit der Einsätze von den Jahreszeiten abhängig?

Markus Heinzelmann: Das kann man so nicht sagen. Die Anzahl der Einsätze ist übers Jahr
gesehen bei uns in Villingen-Schwenningen doch sehr stabil und hat sich
im Jahr 2008 um die 35 Einsätze im Monat bewegt. 2/3 der Einsätze sind
zwischen 08:00 – 19:00 Uhr zu verzeichnen.

meinsbh.de: Was beeindruckt Sie am meisten in Ihrem Beruf?

Markus Heinzelmann: Die Hingabe und der Idealismus der ehrenamtlichen sowie auch der
hauptamtlichen Einsatzkräfte bei der Hilfe am Nächsten.

meinsbh.de: Haben sich Interessen der jungen Leute im Bezug auf die Feuerwehr im
Laufe der Jahre geändert? Wenn ja, wie?

Markus Heinzelmann: Ich denke schon. Das Freizeitverhalten von Jugendliche hat sich doch
sehr stark geändert. Es gibt auch ein mehr an Angebot auf dem
Freizeitmarkt. Da haben wir als Freiwillige Feuerwehr in manchen
Bereichen schon Nachwuchssorgen. Aus diesem Grund haben wir in manchen
Ortschaften das Eintrittsalter zur Jugendfeuerwehr auf 10 Jahren
abgesenkt. Hier probieren wir mit unseren sehr engagierten Jugendwarten
den Kindern und Jugendlichen den “Feuerwehrvirus” zu setzen.Wir
übernehmen in der Regel über 90% der Jugendfeuerwehrler in die aktive
Wehr. Von denen bleiben auch mehr als 2/3 länger als 6 Jahre bei uns.
Die meisten Leute verlieren wir, da der Arbeitsmarkt heutzutage eine
Wohnortflexibilität erfordert.

meinsbh.de: Was ist der Unterschied zwischen der Freiwilligen und der Beruflichen
Feuerwehr?

Markus Heinzelmann: Bei den Einsätzen haben wir keine Unterschiede. Grundsätzlich ist jede
Art von Einsätzen überall möglich.
Der Unterschied liegt bei den Ausrückezeiten, eine Berufs- bzw.
Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften muss innerhalb einer Minute nach
der Alarmierung mit dem ersten Fahrzeug aus der Feuerwache ausrücken.
Das erfordert eine ständige Besetzung der Feuerwache. Die
Feuerwehrhäuser einer Freiwilligen Feuerwehr sind nicht ständig besetzt,
die Einsatzkräfte müssen bei einer Alarmierung zuerst in das
Feuerwehrhaus kommen, dadurch liegt die durchschnittliche Ausrückezeit
zwischen 5 und 6 Minuten. Somit deckt eine Feuerwache (BF bzw. HF) einen
Einsatzradius von ca. 4,2km und ein Feuerwehrhaus (FF) von ca. 2,4km
innerhalb einer angestrebten Hilfsfrist von max. 10 Minuten ab.
Weitere Unterschiede sind in der Ausbildung der Einsatzkräfte zu sehen.
Bei der Freiwilligen Feuerwehr erfolgt die Grundausbildung in 70
Stunden, danach darf man unter Aufsicht an den Einsätzen teilnehmen.
Nach zwei Jahren und weiteren 80 Stunden Ausbildung ist man dann eine
fertig ausgebildete Einsatzkraft. Weitere Ausbildungen zum Truppführer
in 35 Stunden, Maschinisten in 35 Stunden, Atemschutzgeräteträger in 25
Stunden und Sprechfunker in 16 Stunden können dann noch abgelegt werden.
Die berufliche Kraft wird in einem 6 monatigem Ausbildungskurs bei einer
Berufsfeuerwehr ausgebildet. Danach erfolgt der 17 monatige
Einsatzdienst unter Aufsicht bei einer Berufsfeuerwehr. Nach einem 4
wöchigen Aufbaukurs an der Landesfeuerwehrschule erfolgt die
Staatsprüfung zum mittleren feuerwehrtechnischen Dienst. Bei vielen
beruflichen Feuerwehren wird die Einsatzkraft auch noch zusätzlich in
520 Stunden als Rettungssanitäter ausgebildet.

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