Prof. Alexander Doderer (Villingen-Schwenningen)
Alexander Doderer, 1954 in Stuttgart geboren, ist seit 1991 in unserer Region tätig. 1962 zog er mit seinen Eltern für 11 Jahre nach Tuttlingen. Nach seinem Abitur, Zivildienst und einem Studium in Freiburg zog er 1991 beruflich nach Königsfeld im Schwarzwald. Seit 1989 ist er selbstständig. 1994 gründete er das Unternehmen Gruppe Drei in Villingen-Schwenningen und 2001 am Bodensee, welches zu den TOP 20 Dienstleistern des Landes Baden-Württemberg zählt. Nicht nur ist er als Unternehmer tätig, sondern des Weiteren ist er Vorsitzender des Vorstandes Wirtschaftszentrum Schwarzwald-Baar, Hochschullehrer und Referent. 2006 gründete er den Marketing-Club Schwarzwald-Baar e.V. Er lebt mit seiner Familie am Bodensee.meinsbh.de: Sie sind fest mit unserer Region verbunden und unternehmerisch tätig darin. Was ist der Grund für das viele Engagement?
Prof. Alexander Doderer: Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg verfügt über so viele Attraktivitäten, die seit vielen Jahrzehnten unter Wert „verkauft“ werden – da kann man nicht still sitzen und zusehen. Einerseits treibt mich die Leidenschaft als Unternehmer, andererseits sehe ich die Notwendigkeit auch wirklich etwas zu machen und nicht nur zu reden. Freilich wünsche ich mir für mein Unternehmen schon eine Umgebung, die mit ihrem Image auch qualifizierte Fachkräfte anlocken kann. Dafür versuche ich mich ebenfalls einzusetzen, wenngleich es manchmal so scheint, als mache man sich damit eher Feinde.
meinsbh.de: Wie bekommen Sie so viele Aufgaben gemeistert und haben dazu noch Zeit für Ihr Privatleben?
Prof. Alexander Doderer: Was meinen Sie mit Privatleben? Meine Frau und ich trennen nicht zwischen Beruf und Privatleben. So gesehen verstärken wir uns gegenseitig. Zudem habe ich das große Glück, eine Vielzahl sehr guter und engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um mich haben zu dürfen, die mich unterstützen. Das gibt Kraft!
meinsbh.de: Ihr Unternehmen zählt zu den TOP 20 Dienstleistern unseres Bundeslandes. Was für Erfahrungen haben Sie auf Ihrem Lebensweg gesammelt, die Sie bei dem unternehmerischen Erfolg weiterbrachten?
Prof. Alexander Doderer: Erfolg ist immer relativ. Ich hatte allerdings eine sehr glückliche Kindheit und liebevolle Eltern – das hält ein eben lang vor. Später, in der Jugend, es war in den frühen 70er Jahren konnte ich mich aber auch leidenschaftlich mit ihnen streiten. Ich habe gelernt, einer Haltung treu zu bleiben und dafür auch zu kämpfen. Die späteren Studienschwerpunkte pädagogischen Psychologie und Didaktik, tragen heute wahrscheinlich aber am weitesten.
meinsbh.de: Sie halten auch Vorträge. Wieso ist es für Sie wichtig Mitmenschen und Studenten zu beratschlagen und zu belehren? Geben Sie Ihnen wichtige Tipps mit auf den Weg, die ihnen im Berufsleben weiterhelfen können?
Prof. Alexander Doderer: Ja, ich befürchte Sie haben mit Ihrer Frage etwas ausgedrückt, das ich eigentlich nicht für mich in Anspruch nehmen möchte: belehren. Ich weiß aber sehr genau, dass vielfach dieser Eindruck entsteht. Leider!
Im Grunde geht es mir nicht um Sendungsbewusstsein oder so etwas. Ich möchte mit Menschen in Dialog treten und durch diesen Dialog jeden Tag eine Stück weiterkommen. Ich denke, wir sind es dem Wunder des Lebens einfach schuldig, dass wir aktiv und in stetem Bestreben zum Besseren unterwegs sind.
meinsbh.de: Sie sind Vorsitzender des Wirtschaftszentrums Schwarzwald-Baar (WSB). Welche wirtschaftlichen Ziele verfolgen Sie innerhalb der Region?
Prof. Alexander Doderer: Man wirft mir ja vor, mit dem WSB eine Konkurrenzveranstaltung zur IHK, den Wirtschaftsförderungen usw. ins Leben gerufen zu haben. Das ist aber gar nicht der Fall!
Hier haben sich vor einigen Monaten ein paar aktive Unternehmerinnen und Unternehmer mit dem Landrat getroffen und ihre Identifikation mit dem Landkreis bekräftigt. Sie alle treibt übrigens die gleiche Energie: der Schwarzwald-Baar-Kreis muss seine Attraktivitäten besser vermarkten, damit Fachkräfte, junge Familien und Gründer auf diese herrliche Gegend aufmerksam werden und sie nicht ins Abseits gerät.
Es geht dabei nicht um die Region als diffuse Einheit, es geht um den Landkreis Schwarzwald-Baar.
meinsbh.de: Was ist das Besondere an unserer Region und wie würden Sie die wirtschaftliche Lage beschreiben?
Prof. Alexander Doderer: Das Besondere am Schwarzwald-Baar-Kreis ist zunächst seine geografische Lage, in weiten Teilen auf einem sonnenreichen Hochplateau, seine Luft- und Wasserqualität, die großen Wälder, ja, man könnte sagen: diese ganze Lebensqualität zum attraktiven Preis.
Wirtschaftlich steht der Kreis nicht schlecht da aber seine Zukunftsaussichten sind
auch nicht überragend. Allein die Abwanderung junger talentierter und kreativer Menschen gibt mir sehr zu denken
meinsbh.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen den Marketing Club Schwarzwald-Baar e.V. zu gründen und welche Ziele verfolgen Sie und weitere Mitglieder?
Prof. Alexander Doderer: Die Gründung eines Marketing-Clubs lag eigentlich auf der Hand. Bis 2006 war der Raum Schwarzwald-Baar-Heuberg in der Deutschen Marketinglandschaft so etwas wie ein weißer Fleck. Heute versammelt der MC immerhin über 70 Mitglieder aus den meisten namhaften Unternehmen der Region. Sie alle haben zum Ziel, das Marketingbewusstsein in der Gesellschaft zu schärfen. Wenn man die aktuelle Situation der Automobilindustrie reflektiert, ist das ja auch wichtiger denn je.
meinsbh.de: Welche positiven Auswirkungen hat es auf die Unternehmen in unserer Region?
Prof. Alexander Doderer: Der MC ist ein berufsspezifischer Club. Er bietet eine Plattform für alle im Marketing tätigen Menschen der Region. Zudem ist er eine Art Andockstation zum Marketinggeschehen in der Republik über die automatische Mitgliedschaft im Deutschen Marketingverband mit insgesamt 16.000 Mitgliedern. Gerade diese Verbindung scheint mir besonders wichtig zu sein.
meinsbh.de: Welche Aufgaben erfüllen Sie selber und welche geben Sie an die Arbeitnehmer ab?
Prof. Alexander Doderer: Wie gesagt: ich habe sehr gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mich in vielerlei Hinsicht organisatorisch und operativ komplett entlasten. Strategische und konzeptionelle Arbeiten sowie das gesamte Vortragswesen ist meine Sache. Speziell für die Arbeit im Marketingclub gibt es ja den Geschäftsführer Oliver Hupp und die Geschäftsstelle betreut unsere jüngste Tochter Carolin.
meinsbh.de: Was sind Ihre Ziele und Wünsche in naher Zukunft?
Prof. Alexander Doderer: Gesundheit selbstverständlich für unsere Familie, die Firma und mich. Ferner wünsche ich mir, dass die aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten speziell der Automobilindustrie an Baden-Württemberg, am Landkreis Schwarzwald-Baar im Speziellen einigermaßen glimpflich vorübergehen. Ich wünsche mir aber auch, dass wir hier alle lernen, vielmehr mit einander zu reden und weniger über einander oder gar gegeneinander.
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Dieses Interview wurde von Suzana Vrucinic im Rahmen einer Projektarbeit der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Furtwangen am 10.01.09 per Email geführt.
