Andreas Erchinger (St. Georgen im Schwarzwald)

Andreas Erchinger ist Lehrbeauftragter für Jazz-Piano im Studiengang Schulmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg und gleichzeitig Lehrer für Jazz/Rock/Pop-Piano an der Jugendmusikschule in seiner Heimatstadt St. Georgen. Er ist bekannt als Pianist und Komponist mit dem CecileVerny Quartet und mit eigenem Trio. Bekam mehrere Musikpreisauszeichnungen. Leitet zahlreiche Konzerte und Projekte mit den Jugendlichen.


meinsbh.de: Konzerte in Dubaj, Uganda, Jamajka, Madagaskar, den Bahamas. Sie sind so viel gereist, haben so viel gesehen. Was zieht einen dann immer noch in die Heimatregion zurück?

Andreas Erchinger: Ich finde es gerade wenn man so viel unterwegs ist sehr wichtig einen Mittelpunkt und eine Heimat zu behalten und zu wissen wo man herkommt.
Ausserdem bin ich abgesehn von familiären Gründen auch der Jugenmusikschule St. Georgen sehr verbunden, an der ich ja selbst Schüler war- es ist ein gutes Gefühl vielleicht ein wenig von dem zurückgeben zu können, was man selber bekommen hat.

meinsbh.de: Heutzutage hört man ja weniger Jazz. Wie schaffen Sie es, Ihre Schüler für diese Art Musik zu begeistern?

Andreas Erchinger: Da ja Jazz leider in den Medien gar nicht mehr vorkommt können junge Leute diese Musik leider gar nicht mehr kennen lernen, es sei denn über die Eltern oder eben über Lehrer oder Musikschule, das finde ich sehr wichtig. Meiner Erfahrung nach funktioniert es sehr gut, die Schüler bei ihrer Musik ( Pop/ Rock, was ich auch sehr gerne höre) abzuholen und dann zu ein bisschen weniger kommerziellen Stilrichtungen zu führen. Wenn sie Jazz oder ähnliches erst mal kennen gelernt haben, gefällt ihnen das nämlich meistens sehr gut! Ausserdem findet man über Improvisation ganz generell einen ganz anderen Zugang zur Musik.

meinsbh.de: Was halten Sie von den modernen Musiktrends? Mit Computer komponiert – ist es noch Musik?

Andreas Erchinger: Da gibt es natürlich ganz viel interessantes, leider findet in den Medien nur der ganz kommerzielle Maistream statt- aber es gibt unglaublich viel gute neue Musik.
Der Computer kann ein gutes Hilfsmittel sein, dass ich auch nutze – Kreativität, musikalisches Wissen, technische Fähigkeiten am Instrument und Fleiss kann er allerdings immer noch nicht ersetzen.

meinsbh.de: Sie haben heutzutage Konzerte mit Ihren Schülern. Geben Sie auch noch eigene Aufführungen? In der Region, im Ausland?

Andreas Erchinger: Ich hatte im Jahr 2008 zwischen 60 und 70 Konzerten, vorwiegend in Deutschland und den umliegenden Nachbarländern, war aber mit dem Cecile Verny Quartet, mit dem ich ja haupsächlich spiele auch für eine Woche in Marokko, auf einem Festival in Lettland, in Moskau, Wien ,Paris usw.
Neben dieser  Arbeit mit Cecile bastle ich aber gerade noch an zwei anderen Projekten, einem mit der Kölner Klarinettistin Annette Maye und an einem anderen mit dem Stuttgarter Elektoniker Hanfreich.

meinsbh.de: Sehen Sie unter Ihren Schülern einen Nachfolger für den bekannten Jazzmusiker Andreas Erchinger?

Andreas Erchinger: Ich habe natürlich sehr begabte Schüler  von denen auch schon der eine oder andere den Weg zum Berufsmusiker gewählt hat oder zumindest mit dem Gedanken spielt.
Das ist natürlich schon ein Schritt den man sich gerade heute sehr gut überlegen muss- aber wer unbedingt Musik machen muss macht das ja sowieso!
Nachfolger – ich weiss nicht, jeder muss seinen Weg gehen.

meinsbh.de: Wozu fühlen Sie sich mehr hingezogen: zum Musizieren oder den jungen Leuten die Musik beizubringen?

Andreas Erchinger: Gerade die Abwechlung zwischen konzertieren und unterrichten macht mein Leben so interessant und abwechslungsreich, jeden Tag andere Herausforderungen, das macht echt Spass, wenn ich das nicht hätte könnte ich wahrscheinlich gar nicht so viel arbeiten. Jugendmusikschule, Hochschule, spielen, proben, reisen- jeden tag was anderes, das hält einen wach.

meinsbh.de: Was ist Musik für Sie – Beruf oder Leidenschaft?

Andreas Erchinger: Ich habe den unglaublichen Luxus, mit dem was mir Spass macht mein Geld zu verdienen- Beruf und Leidenschaft also.


Dieses Interview wurde von den Studierenden im Rahmen einer Projektarbeit der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Furtwangen am 11.12.08  per Email geführt.

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