Knud-Eike Buchmann (Bad Dürrheim)

Interview mit Knud-Eike Buchmann (Bad Dürrheim)

In Bad-Dürrheim lebende Prof. Dr. phil. Knud-Eike Buchmann ist ein hoch geachteter Psychologe und Trauma-Experte. Er war als Professor für Psychologie und Personalführung an der Hochschule für Polizei (Schwenningen) tätig. Von ihm aufgebaut und geleitet wurde das “Instituts für Konflikt, Konfliktmanagement und Krisenintervention” für die Polizei des Landes Baden-Württemberg. Er ist als Experte in Konfliktsituationen sehr gefragt und geschätzt. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche und literarische Veröffentlichungen von Herr Buchmann. Er ist Gründer und Vorsitzender der Bürgerstiftung Bad Dürrheim “GELINGENDES LEBEN” e.V. Außerdem kann man Herr Buchmann bei diversen Vorträgen und Seminaren erleben.

meinsbh.de: Seit 1998 schreiben Sie die Kolumne in der Neckarquelle. Woher kommen die
Themen der Kolumne?

Knud-Eike Buchmann: Die Themen sind solche, die mich beschäftigen oder die gerade aktuell diskutiert werden. In vielen Fällen bekomme ich Anregungen durch Fragen von Freunden oder Bekannten (z.B. zur mentalen Stärke bzw. zum plötzlichen Versagen von Olympioniken oder zum Einkaufsverhalten und zur „Organisation“ eines Supermarktes…).
Meist habe ich zwei, drei Themen bereits fertig „in der Schublade“ – aber im Allgemeinen schreibe ich unmittelbar vor dem ersten Dienstag jeden Monats (das ist der Erscheinungstermin seit über 10 Jahren).

meinsbh.de: Sind die Seminare und Kurse bei den Firmen in der schwierigen Zeit der Finanzkrise mehr gefragt als sonst?

Knud-Eike Buchmann: Es gibt jahreszeitliche Verdichtungen für Fortbildungen im Management – und es gibt in der Tat in „schlechteren“ Konjunkturzeiten weniger Buchungen. Es wäre aber sinnvoll, antizyklisch gerade dann Fortbildungen zu veranstalten, wenn es einer Firma nicht so gut geht! Ich denke aber, dass die Fortbildung von Managern viel gezielter stattfinden sollte: Denn Management ist ein „Lernberuf“, der sehr unterschiedliche Tools benötigt. Meine Kompetenz liegt dabei in der Entwicklung von psychosozialen und persönlichen Fähigkeiten.

meinsbh.de: Sie bieten öffentliche Vorträge zu verschiedenen Themen an. An welche Personen sind diese orientiert?

Knud-Eike Buchmann: Die öffentlichen Vorträge resultieren aus meiner Überzeugung, dass Wissenschaft bzw. wissenschaftliche Erkenntnisse verstehbar und praktisch brauchbar auch für den interessierten Laien angeboten werden sollte. Dabei handelt es sich zuweilen auch um Menschen mit besonderen Problemen (in der Familie..), wie Sucht oder Suizid. Seit längerem beschäftigt mich das Thema wie man mit „schwierigen Menschen“ in schwierigen Situationen umgehen soll(te). Hierzu gibt es bewährte verhaltenstherapeutische Verfahren. Aber auch Themen, die im Schnittfeld von Psychologie, Philosophie, Biologie, Anthropologie und Pädagogik liegen, reizen mich immer wieder. (Ich bin ja auch ausgebildeter Lehrer mit einigen Jahren Lehr-Erfahrung und Doktor der Philosophie.)

meinsbh.de: Sie sind Vorsitzender der Bürgerstiftung Bad Dürrheim “GELINGENDES LEBEN” e.V. Um was geht es bei der Stiftung und warum wurde sie gegründet?

Knud-Eike Buchmann:
Die Bürgerstiftung wurde gegründet, weil erkennbar ist, dass es in Bälde immer weniger öffentliche Gelder für soziale, künstlerische und altersübergreifende Projekte geben wird. Wir möchten potenziellen Stiftern Möglichkeiten bieten, sich bürgerschaftlich zu engagieren, d.h., sich  für Projekte in Bad Dürrheim stark zumachen. In Zusammenarbeit mit interessierten Menschen in unserer Kommune möchten wir  Beiträge leisten, um das Leben hier erfreulicher zu gestalten. Viele Menschen möchten gern etwas Gutes tun – wissen aber vielleicht nicht wie und wo? Ihnen sagen wir zu, dass wir ihre (finanziellen) Beiträge treuhänderisch für die in unserer Satzung festgeschriebenen Stiftungsziele „verwalten“: Jugend- und Altenhilfe; Bildung und Erziehung; Kunst und Kultur; Umwelt und Landschaft sowie Bürgerschaftliches Engagement.

meinsbh.de: In Ihren Arbeit geht es immer um gelingendes Leben. Wie gut gelingt es Ihnen auf Ihrem persönlichen Lebensweg?

Knud-Eike Buchmann: Neben Glück, guter(?) Genetik und einer gewissen praktischen Intelligenz gehört zu einem „Gelingendem Leben“ m.E. der Wille, etwas Sinnvolles für andere Menschen zu tun. Hierbei kommt besonders der Generativität (von sich selbst absehen können, für andere da sein, etwas zurückzahlen…) eine große Bedeutung zu. Wir Älteren können uns sehr nützlich machen, unsere Erfahrungen und unser Können, sowie vorhandene Zeit einbringen. Das versuche ich mit anderen – und ich habe das Empfinden, dass uns das gelingt. Ich kann weder über Langeweile noch über Interessensmangel klagen. Die intensive Beschäftigung mit sich selbst und seinen Wehwehchen führt in die Irre. Das Engagement für eine Idee oder eine Sache ist Basis gelingenden menschlichen Lebens.

meinsbh.de: Seit 2004 sind Sie im Ruhestand. Wie “ruhig” ist er tatsächlich?

Knud-Eike Buchmann: Es ist schön.

meinsbh.de: Bei Ihren Einsätzen in Krisensituationen wie z.B. der Flugzeugabsturz bei Überlingen haben Sie viel mit dramatischen Schicksalen zu tun. Wie sehr nimmt es einen selber mit? Wie verarbeiten Sie solche Momente?

Knud-Eike Buchmann: Als Psychotherapeut habe ich gelernt, Menschen nach schweren Schicksalsschlägen zu begleiten. Das ist eine hilfreiche und schöne Aufgabe. Dabei muss ich – bei aller Empathie – eine gewisse professionelle Distanz wahren. Ich darf mir also z.B. nicht das Leiden eines anderen Menschen zu meinem eigenen Leiden machen. Richtig ist, dass das Miterleben von Leid und scheußlichen Bildern (zerstückelte Kinderleichen…) belastend ist. Man kann das nicht abschütteln. Ich versuche  meine Eindrücke zu verarbeiten: Darüber sprechen, sie aufschreiben, aus ihnen zu lernen oder die gemachten Erfahrungen lehrend weiter zu geben. Im Austausch mit anderen Fachkräften liegt eine gute Chance, Belastendes zu minimieren. Außerdem ist es eine besondere „Kunst“, sich bereits auf dem Weg zu einer Katastrophe in eine Verfassung zu bringen, die die seelische Verletzbarkeit herabsetzt.
Ist das eigene Tun sinnvoll, bewältigt man auch den Schmerz besser. Ich habe stets darauf geachtet, nicht nur mit Menschen, die schwere Schicksalsschläge erlitten haben zusammen zu sein, sondern auch mit solchen, die froh und glücklich waren/sind. Und dann gibt es noch lange, einsame Spaziergänge, Musik, Kunst…

meinsbh.de: Was macht in unseren Zeit einen glücklichen Menschen aus?

Knud-Eike Buchmann: Ein „glücklicher“ Mensch ist wohl einer, der dankbar, bescheiden und mit seinem „Jetzt-Leben “ zufrieden ist und keine Angst vor der Zukunft hat. Ich spreche lieber von zufriedenen Menschen; denn Glück ist etwas Herausgehobenes, etwas eher Seltenes. Zufriedenheit kann und sollte etwas Überdauerndes sein. Wer ständig auf der Jagd nach dem Glück ist, macht sich auf Dauer nur unglücklich.

Dieses Interview wurde von den Studierenden im Rahmen einer Projektarbeit der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Furtwangen am 23.01.2009  per Email geführt.

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