Brigitte Landgrebe (Schramberg)

Interview mit Brigitte Landgrebe (Schramberg)

Brigitte Landgrebe ist geboren und lebt seit vielen Jahren als freischaffende Künstlerin in Schramberg. Im Februar 2009 feiert die Künstlerin doppeltes Jubiläum: sie wird 50 und ist 35 Jahre aktiv mit dem Pinsel an der Leinwand. Mit 15. malte sie ihr erstes Ölgemälde, „ein Stilleben, was man mir heute auf gar keinen Fall zuschreiben würde“, so Frau Landgrebe. Seit 1980 stellt sie ihre Kunstwerke im surrealistischen, kubistischen und teils auch geometrischen Stil im In- und Ausland aus. In ihrem Atelier-Galerie-Colorland (Schramberg) findet man ca. 50 Ölgemälde und Skulpturen für den Innen- und Außenbereich. Man trifft vielerorts auf ihre Handschrift, nicht nur in Privathäusern, sondern auch in zahlreichen Firmen und öffentlichen Gebäuden. Die Künstlerin führt viele Aktivitäten mit Kindern durch, dazu gehören viele Großspielprojekte an Schulen und Kindergärten.
Ihre e-Mails beendet sie immer mit:
“Mit farbigen Grüßen aus dem Schwarzwald, salutations colorées de la Forêt Noire, colorful greetings from the Black Forest”

meinsbh.de: Gibt  es unter Ihren Werken auch Bilder der Region? Von der Region   inspiriert?

Brigitte Landgrebe: Es gibt die „hommage an den Schwarzwald“, ein 2-teiliges Bildobjekt, Öl auf Holz das sowohl einen Laub- als auch einen Tannenbaum darstellt, ein Teil in den sommerlichen Grüntönen, der andere in den herbstlichen Rottönen.

meinsbh.de:  Im Jahr 2000 hatten Sie eine Ausstellung im Europaparlament. Wie kam’s dazu und wie wurde es organisiert?

Brigitte Landgrebe:
Nach 3-jährigem Schriftwechsel mit Verantwortlichen in Brüssel, Luxemburg und Strasbourg, bekam ich schließlich die Zusage dort während einer Sitzungswoche ausstellen zu dürfen. Man betreibt also für 5 Tage Ausstellung einen ziemlichen Aufwand, muss Hinfahren zum Aufbauen, zur Vernissage und zum Abbauen. Alles auf eigene Kosten. Höhepunkt war, dass sich bei der Vernissage der ehemalige EU- Kommissionspräsident Jacques Santer persönlich mit mir unterhielt.

Im Moment hängt übrigens aufgrund meiner Hartnäckigkeit schon über ein Jahr ein 9 auf 6 m großes Wandgemälde dort, welches im Jahr 2000 mit Kindern unter meiner Anleitung während eines Ferienprogramms an der Schramberger Rathauswand entstand. Unterstützt werde ich bei solchen Bestrebungen durch unseren Bundestagsabgeordneten, Herrn Volker Kauder, den ich beim Dolmetschen vor vielen Jahren kennen lernte und der meine künstlerischen Aktivitäten sehr schätzt und unterstützt. Ein Ölgemälde von mir hängt in seinem Büro in Tuttlingen.

meinsbh.de: Was wäre ein Traumort für eine Ihrer  Ausstellungen?

Brigitte Landgrebe: Das hängt von den Konditionen ab. Aufwand und Nutzen müssen immer in einer gesunden Relation stehen. Meine persönliche Traumstadt ist seit meinem ersten Besuch im Alter von 16 immer wieder Paris. Alle großen Künstler der klassischen Moderne hat es dort hin gezogen. Aber ich bin trotz der farbigen Fantasiewelt in der ich viele Stunden verbringe ein recht bodenständiger Typ. Ich habe die Möglichkeit mein Atelier, das an unser Haus angrenzt, als Galerie zu nutzen und kann meine Kunstwerke hier gut präsentieren. Bei einem Besuch wird deutlich, dass ich nicht nur mit Farben arbeite, sondern mit ihnen lebe. Das ist im Grunde genommen für Kunden viel interessanter als eine anonyme Galerie in der Großstadt, die zudem hohe Provisionsgebühren kassiert. Nur ist leider im ländlichen Bereich der potenzielle Kundenkreis viel kleiner und ein „Durchbruch“ gelingt nur, wenn man sich in den Metropolen der Welt einen Namen verschafft. Also warte ich auf einen Anruf aus Berlin, Sydney oder San Francisco….oder bin auch so zufrieden!

meinsbh.de:  Sie machen auch Wandmalereien. Welche Wände im öffentlichen Raum sind von Ihnen bemalt? Sind die Wände bei Ihnen zu Hause auch bunt?

Brigitte Landgrebe: Von mir persönlich direkt bemalt wurde die Außenwand der Bäckerei Storz in Sulgen und die Innenwand der Filiale Storz in Oberndorf. Außerdem eine Wand in einem Großraumbüro einer Freiburger Firma. Mit Kindern zusammen habe ich Außenwandprojekte verwirklicht am Kindergarten Waldmössingen, an der Graf- von-Bissingen Schule, am Gymnasium und der Karl-Diehl-Halle in Schramberg, an der Grund- und Hauptschule in Sulgen und der Grund- und Hauptschule Villingendorf. Projekte im Innenbereich findet man an der Achterschule Rottweil, der GHWRS Villingendorf, der Grundschule Halbmeil, der Förderschulen in Wolfach, Schramberg und Oberndorf, der Grundschule am Kirchplatz in Sulgen, in vielen Kindergärten der Region und der HNO-Praxis Sulgen.
Am Kinzigufer in Wolfach steht das Kooperationsprojekt „Regenbogenwald“ das mit zwei ortsansässigen Schulen realisiert wurde.

Im öffentlichen Park der Zeiten steht eine Skulptur von mir: der Paradiesvogel „Kairos“ gleich am unteren Teich beim Eingang.

Unsere Wände sind alle blütenweiß, damit die farbigen Exponate besonders gut wirken können. Im Außenbereich habe ich allerdings eine Wand bemalt, an einer anderen hängt ein Bild mit wetterfesten Farben auf Aluminium als Malgrund, ebenso am Eingang des Ateliers. Somit verlängere ich mir den Sommer und überstehe graue Regentage.

meinsbh.de:  Durch Ihre Einsätze als Dolmetscherin haben Sie Kontakte zum Ausland. Was erzählen Sie den Menschen aus dem Ausland über Ihre Heimatregion und welche Fragen werden häufig über die Region gestellt?

Brigitte Landgrebe: Ich habe die Stadt Schramberg und die Region 12 Jahre auf einer Touristikmesse in unserer Partnerstadt in Belgien vertreten. Am Messestand wurde vor allem nach Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Spezialitäten gefragt. Dabei verwies ich natürlich auf die klassischen Ausflugsziele und Speisen. Es ist ganz klar, dass sich eine Stadt wie Schramberg allein nicht „verkaufen“ lässt. Man muss die gesamte Region anbieten, vom Europapark bis zum Bodensee. Mit persönlichen ausländischen Freunden machen wir allerdings gerne Wanderungen in kleineren Tälern in der Nähe wie z.B. dem Eschach-, Sulzbach- oder Glasbachtal. (Ich bin kein Freund von typischen Touristenplätzen, es sei denn es handelt sich um faszinierende Metropolen,  aber das auch nur für einige Tage. Dann liebe ich wieder die absolute Ruhe in meinem Atelier. Wahre Inspiration treibt einen von innen. Großstadtlärm, ständige Menschenmengen, hohe Abgaswerte und Staus – davor fliehen die Menschen, die im Schwarzwald Natur erleben möchten).

meinsbh.de:  Wie gut eignet sich der menschliche Körper als eine Leinwand oder ein Kunstobjekt? Zum Beispiel beim Bodypainting.

Brigitte Landgrebe: Es ist eine völlig andere Arbeitsweise als auf der Leinwand, da dreidimensional. Das ist genau der Punkt, der mich interessierte: Vom Zweidimensionalen der Malerei über die Skulptur zum lebenden Kunstwerk zu gelangen. Ich lasse keine Zuschauer beim Bemalen zu, sondern möchte das vollendete Kunstwerk in seinem Bewegungsablauf, den Betrachtern präsentieren. Mich interessieren keine Motive, sondern die Körper sollen aussehen wie ein Bild von mir, eines das sich allerdings bewegt und deshalb ständig neue Sichtweisen bietet. Nur so hat das auch etwas mit Kunst und nicht mit Kitsch zu tun und alles andere in dem Bereich wäre für mich tabu. Ich biete Bodypainting Performance deshalb nur in Zusammenhang mit meiner Kunst an und arbeite klassisch mit dem Pinsel auf der Haut. Dabei benötige ich ca. 3 Stunden für eine Ganzkörperbemalung, was sehr anstrengend ist, sowohl für mich als auch das Model.

meinsbh.de:  Ihr Herz schlägt auch für die Kinder. Wie würden Sie  eine Begegnung mit Kindern farblich  beschreiben?

Brigitte Landgrebe: „ bunt“ in kräftigen, unverfälschten Farben, genauso wie ich sie in meiner Kunst verwende. Kinder sind Energiebündel, fröhlich, optimistisch, dynamisch, direkt, spontan und geradlinig. Bei Erwachsenen geht das leider oft verloren. Allerdings sind Malprojekte mit ihnen auch ganz schön anstrengend und man braucht gute Nerven.

meinsbh.de:  Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach in der Zeit des überhöhten Medienkonsums (sogar bei den kleinen Kindern schon), den Kindern die Kunst näher zu bringen?

Brigitte Landgrebe: Kunst umfasst ja vieles. Sie kann hinterfragen, provozieren. Sie lässt Spielraum Neues zu entdecken, Wünsche zu äußern, Erfahrungen festzuhalten oder ganz einfach nur Schönes zu kreieren. Maltechniken zu lernen, heißt, seine innere Ruhe finden, sich konzentrieren, dabei vielleicht Probleme im persönlichen Umfeld vergessen zu können. Wer sich mit Kunst befasst, schult aber auch das Auge für Ästhetik allgemein. Ich halte es für sehr wichtig, dass ein Kind nicht nur zur eigenen Kreativität angeregt wird, sondern z.B. auch erfährt, wie man bewusst etwas harmonisch zusammenstellen kann oder dass weniger manchmal mehr ist. Es sollte eine Wertschätzung lernen, dass ein durch die Medien angepriesenes Massenprodukt nicht denselben Stellenwert hat wie ein Unikat. Zu einer guten Allgemeinbildung gehört auch etwas Kunstgeschichte. Es gibt viele Erwachsene, die von all dem keine Ahnung haben, weil es ihnen zu wenig vermittelt wurde. Eine Sensibilisierung muss bereits im Kindesalter stattfinden.

meinsbh.de: Hat Schwarzwald nur eine Farbe?

Brigitte Landgrebe: Mich fragte mal ein Tourist, ob ich wüsste, warum der Schwarzwald so hieße. Er meinte, wenn es regne, sei der Wald richtig schwarz und könne sogar Angst machen. Ich denke der Schwarzwald hat alle Farben je nach Wetterlage und wie man sich gerade persönlich fühlt. Am liebsten erlebe ich ihn mit meiner Familie oder Freunden bei sonnigen Temperaturen über 23 ° im Grünen Sommer unter Blauem Himmel, draußen sitzend bei gutem Essen in einem Pink oder Orange farbenem Outfit, denn dann bin ich gut drauf!

Auf jeden Fall verschicke ich immer „farbige Grüße aus dem Schwarzwald“ in meinen emails um die Welt.

Dieses Interview wurde von den Studierenden im Rahmen einer Projektarbeit der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Furtwangen am 12.12.08  per Email geführt.

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