Peter Westhoff (Villingen-Schwenningen)

Interview mit Peter Westhoff (Villingen-Schwenningen)

Peter Westhoff, der in der Stadt Villingen-Schwenningen sozial engagiert ist, wurde 1961 in Stuttgart geboren, wohnt jedoch mit seiner Familie seit 1998 in Villingen-Schwenningen.

Herr Westhoff ist Polizeibeamter und Vorsitzender der Stadtteilinitiative Haslach/Wöschhalde, deren Ziel es ist, durch Programme und Aktivitäten mehr Lebensqualität in der Gemeinde zu schaffen und das Wohnklima zu verbessern.

meinsbh.de: Die Stadtteilinitiative Haslach/Wöschhalde engagiert sich seit 1999 für die Verbesserung der Lebensqualität in dem Wohngebiet. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt, um dies zu erreichen?

Peter Westhoff: In den Anfangstagen der SIHW haben wir Wünsche und Bedürfnisse der Anwohner erhoben, die die Zielrichtung vorgegeben haben. Danach wollen wir etwas für die Verbesserung der Situation der Jugendarbeit im Stadtteil tun, aber auch Veranstaltungen organisieren (Stichwort: “Mehr Feste in den Stadtteil!“ und Angebote für alle Altersgruppen hier vor Ort realisieren. Das alles dient auch dem Zweck, etwas gegen Anonymität, für mehr menschliche Begegnungen und damit auch für ein Mehr an Lebensqualität zu tun.

meinsbh.de: Was für Aktivitäten und Programme bietet die Stadtteilinitiative an?

Peter Westhoff: Seit vielen Jahren organisieren wir in der letzten Augustwoche den Bauspielplatz „Kleindorfhausen“ für Kinder von 6 – 14 Jahren – ein kleines Kinderferienprogramm für sich, bei dem unter Anleitung nach Herzenslust gesägt, gehämmert und gebaut werden kann. Ein Rahmenprogramm ist auch immer dabei, und am Ende können die Hütten auch mitgenommen werden. Das Ganze ist für die Kinder kostenlos, jeder kann kommen. Meistens kommen 60 – 80 Kinder täglich, je nach Wetter.
Ein weiterer fester Baustein in unserem Programm ist das Musikfrühstück, das wir im Kindergarten Wöschhalde dreimal im Winterhalbjahr an einem Sonntagmorgen anbieten können. Ein reichhaltiges Frühstücksbuffet verbunden mit Live-Musik zur Unterhaltung sowie Spielmöglichkeiten für Kinder. In der Regel haben wir da immer 100 große und kleine Besucher.
Zum zweiten mal hat nun auch vom 1. – 23. Dezember ein „lebendiger Adventskalender“ an verschiedenen Adressen im Stadtteil stattgefunden. Dabei habe ich mich besonders darüber gefreut, dass die Termine so schnell mit Interessierten „gefüllt“ werden konnten, die bereit waren, für Besucher und Nachbarn etwas weihnachtliche Stimmung zu bereiten, sei es mit einem Weihnachtslied oder einer Weihnachtsgeschichte, und mit Tee und Gebäck zu bewirten. Zwischen 15 und über 30 Personen haben diese Angebote täglich wahrgenommen.

meinsbh.de: Was wurde seit der Gründung der Stadtteilinitiative schon im Haslach und der Wöschhalde geschaffen?
Peter Westhoff: Ein zentraler Punkt in unserer Angebotspalette ist der Stadtteiltreff Spieltruhe. Der ehemalige Behelfskindergarten ist zum zentralen Ort für ein Kursangebot, Veranstaltungen und unsere internen Treffen geworden. Hier finden musikalische Kurse für Kinder, Zeichen- sowie Handarbeitskurse statt, ein Computerkurs, aber auch Vorträge und Informationsveranstaltungen. Einmal im Monat organisieren wir ein Frühstückstreffen und ein Bürgercafé. In der Flohkiste werden zweijährige Kinder betreut, und an den Wochenenden ist das Gebäude tagsüber oft für Kindergeburtstage und Familienfeiern vermietet.
Dass im Jugendtreff „Kiosk“ über die letzten Jahre kontinuierlich ein – wenn auch noch immer deutlich verbesserungswürdiges – Angebot für Jugendliche realisiert werden konnte, dürfen wir ein wenig mit auf unsere Fahnen schreiben. Wir haben uns immer dafür stark gemacht, dass die Jugendlichen in den dicht besiedelten Stadtteilen Haslach und Wöschhalde ein Angebot vor Ort, hier im Wohngebiet, brauchen. Als die Mobile Jugendarbeit als Träger wegbrach, haben wir als Verein übergangsweise die Trägerschaft und die damit verbundenen Aufgaben für den im Kiosk tätigen Sozialarbeiter übernommen.
Nun ist das baufällige Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen alten Familienparks an der Obereschacher Straße nicht mehr nutzbar. Wir haben die Chance, an neuer Stelle einen Jugendtreff zu realisieren. Daran beteiligen wir uns derzeit zusammen mit dem jetzigen Träger, der Fachstelle Sucht, und dem Jugendamt der Stadt VS.
meinsbh.de: Haben Sie schon Ergebnisse beobachtet, die Sie noch mehr dazu anstreben weitere Aktionen für eine Verbesserung des Stadtteils in die Wege zu leiten?

Peter Westhoff: Das ist ein kontinuierlicher Prozess. An guten Ideen für neue Angebote mangelt es selten, aber wir wollen vor allem für Kontinuität, Verlässlichkeit und Seriosität unserer Angebote stehen. Unsere ehrenamtlichen Ressourcen sind natürlich begrenzt, da entwickeln wir vor allem unsere vorhandenen und erfolgreichen Angebote weiter. Uns erreicht im wesentlichen ein positives Feedback, das uns ermuntert, auf diesem Weg weiter zu gehen. Auch eine aktuelle Umfrage einer Gruppe Studierender der FH Schwenningen im Stadtteil hat gezeigt, dass wir grundsätzlich richtig liegen. Auf der Wunschliste stehen durchaus noch Dinge wie weitere Angebote für Senioren, z.B. Nachmittagsveranstaltungen mit Abholservice, und für Kinder, etwa rund um das Thema Fußball. Wir brauchen dafür aber weitere Helfer für die Betreuung, das muss sich noch entwickeln.

meinsbh.de: Was gefällt Ihnen in Villingen-Schwenningen besonders gut, wofür es sich lohnt hier zu leben?
Peter Westhoff: Wir leben hier in einer lebendigen Stadt mit interessanten kulturellen Angeboten in einer landschaftlich sehr schönen Region. Die historische Villinger Innenstadt hat mich schon immer begeistert. Hier trifft man auch immer Bekannte, hier kennt man die Menschen noch persönlich.

meinsbh.de: Was für Pläne oder Wünsche, auf unsere Region Villingen-Schwenningen bezogen,  haben Sie für die nächsten Jahre?

Peter Westhoff: Ich wünsche mir, dass angesichts der auf den Weg gebrachten großen Projekte (LGS, Zentralklinikum) die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt auch künftig erhalten werden und in den Bereichen Schulen, Kultur, Sport und Jugendbetreuung weiterhin und zusätzlich sinnvoll investiert werden kann. Und es wäre schön, wenn es auf Dauer gelänge, die Villinger Innenstadt mit ihrem schützenswerten historischen Ensemble zu erhalten und sorgsam zu entwickeln.

Dieses Interview wurde von Studenten der Hochschule Furtwangen geführt. (11.12.2008)

Die Projektgruppe wird ehrenamtlich geleitet von Matoma Internet Consulting, Trossingen.

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