Alexander Fischinger (Triberg)

Interview mit Alexander Fischinger (Triberg)

Alexander Fischinger wurde 1964 in Triberg geboren. Er entdeckte bereits mit sechs Jahren seine große Leidenschaft für das Fußballspielen. Damals begann er seine Fußballkarierre als Spieler, wechselte jedoch im Jahr 1996 von der Spieler- auf die Trainerseite.
Zudem war Alexander Fischinger im Jahr 1996 Mitgründer der Alitom- Fußballschule,  in welcher er bis heute Kinder und Jugendliche von seinen Erfahrungen profitieren lässt.
Seit dem 1. Januar 2008 trainiert Alexander Fischinger erfolgreich die Frauenbundesligamannschaft des SC Freiburg.

meinsbh.de: Sie haben Ihre Karriere beim FC Schonach gestartet. Wie kam es 1998 zum Wechsel vom Spielfeld auf die Trainerbank? Was ist das Faszinierende am Trainerberuf?

Alexander Fischinger: Fußball war schon immer mein Lebensinhalt, schon mein Vater war Fußballer. Ich bin sehr früh Trainer geworden, weil ich nach einem Unfall mit Ende 20 meine aktive Karriere beenden musste und dem Fußball auf jeden Fall erhalten bleiben wollte. 1996 habe ich dann die B-Lizenz gemacht, 2002 die A-Lizenz. Mein Ehrgeiz als Trainer ist richtig entbrannt, als ich in meinem Heimatverein FC Schonach entlassen wurde. Danach war ich glücklicherweise immer zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Verein. Die Faszination ist, jungen Menschen auch außerhalb des Fußballs was mit auf den Weg geben zu können. Sport kann einem – das hab’ ich durch meinen Unfall gelernt – Antrieb in allen Lebenslagen geben.

meinsbh.de: Seit Anfang dieses Jahres trainieren Sie die Frauenbundesligamannschaft des SC Freiburgs? War es für Sie eine große Umstellung von nun an Frauen zu trainieren?

Alexander Fischinger: Nein. Technisch und taktisch sind die Mädels alle sehr gut ausgebildet. Ansonsten sind es eben die bekannten, naturgemäßen Unterschiede bei Schnelligkeit und Dynamik. Und für mich als Trainer macht es gelegentlich Unterschiede in der Ansprache der Spielerinnen, wo man ab und an vielleicht etwas diplomatischer sein muss, als bei Jungs. Aber im Großen und Ganzen sind die Unterschiede eher marginal.

meinsbh.de: Obwohl die deutsche Nationalmannschaft der Frauen amtierender Weltmeister ist, existieren immer noch viele Vorurteile gegenüber dem Frauenfußball? Inwieweit können Sie diese widerlegen?

Alexander Fischinger: Welche Vorurteile? Ich denke das Niveau im Frauenfußball und die Präsenz ist unaufhaltsam, das wird auch die größten Kritiker überrollen.

meinsbh.de: Sie sind außerdem stolzer Vater einer 15-jährigen Tochter, ist sie auch Fußballbegeistert oder hat sie gar vor eines Tages in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten?

Alexander Fischinger: Fabienne ist unglaublich fußballbegeistert und kennt sich auch gut aus. Sie gibt mir – genau so wie meine Frau – Kraft und unterstützt mich. Aber selbst aktiv ist sie nicht.

meinsbh.de: Was verbindet Sie, als geborener Triberger, mit der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg?

Alexander Fischinger: Ich hatte bis Ende 20 meinen Lebensmittelpunkt in Schonach. Meine Familie – Mutter, Geschwister – wohnen immer noch dort und, zwar wenige, aber gute Freunde ebenso. Und ich glaube, dass ich wegen des gewohnt rauen Klimas eine gewisse Härte mit in die Schwarzwaldmetropole gebracht habe.

meinsbh.de: Neben Ihrer Trainertätigkeit sind Sie Mitgründer der Fußballschule „Alitom“ Freiburg GbR in Umkirch. Welcher Grundgedanke steckt hinter der Gründung?

Alexander Fischinger: Wir wollen Kindern Werte vermitteln, Ihnen zeigen, was mit Fußball möglich ist und soweit uns das möglich ist, auch das soziale Umfeld etwas steuern, sie von schlechter Gesellschaft fern halten. Die Kinder sollen wenigstens bei uns ihre Freiheiten ausleben können und Spaß haben, aber sich natürlich auch fußballerisch weiterentwickeln.

meinsbh.de: Welche Wichtigkeit schreiben Sie Sport im Kindesalter sowie generell zu?

Alexander Fischinger: Wenn ich an den Sportunterricht in der Schule denke: Eine oder zwei Stunden – die dann auch noch als erstes ausfallen – halte ich für viel zu wenig. Es wird auf Kinder heutzutage schon so ein Leistungsdruck ausgeübt, dass ich den Ausgleich durch Bewegung für mehr als wichtig erachte. Jeder der für mehr Schulsport einträte, hätte meine vollste Unterstützung

meinsbh.de:Bleibt bei den vielen Aufgaben, die ihre Tätigkeiten mit sich bringen noch Zeit für die Familie?

Alexander Fischinger: Das müssen sie in erster Linie meine Frau fragen. Die Unterstützung von ihr ist jedenfalls da und so können wir oft das angenehme Familienleben mit dem Nützlichen Fußballschauen an den Wochenenden verbinden. Fußball hat bei uns in der Familie schon immer das ‘Tagesgeschäft’ bestimmt – wir kennen es nicht anders. Über diese Unterstützung und die Freiheiten bin ich froh und dankbar dafür. Auch schon meine Mutter und meine Geschwister haben mir die Freiheit immer gelassen, dafür bin ich unendlich dankbar, zumal ich das aus Kollegenkreisen auch anders kenne, wo die Unterstützung und Akzeptanz in der Familie nicht so ausgeprägt ist.

Dieses Interview wurde von Studenten der Hochschule Furtwangen geführt. (Sommersemester 2008)

Die Projektgruppe wird ehrenamtlich geleitet von Matoma Internet Consulting, Trossingen.

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