Rudolf Kastner (Triberg)

Interview mit Rudolf Kastner (Triberg)

Rudolf Kastner startete seine berufliche Laufbahn nach erfolgreichem Studium der Elektrotechnik beim Siemens-Konzern. Er kam 1993 als Geschäftsführer zur EGT. Im Juni 1999 wurde die frühere Elektrizitäts-Gesellschaft Triberg GmbH zur EGT Holding AG umgewandelt und Rudolf Kastner zum Vorstand berufen. Kastner ist Miteigentümer und Vorstandsvorsitzender der heutigen EGT AG. Neben vielfältigen Funktionen als Aufsichtsrat und Gesellschafter innerhalb der EGT Unternehmensgruppe ist Rudolf Kastner Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Triberg eG sowie Beirat weiterer mittelständischer Unternehmen.meinsbh.de: In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg sind viele erfolgreiche mittelständische Unternehmen ansässig. Worin sehen Sie die Vorteile solcher Unternehmen im Vergleich zu großen Konzernen?

Rudolf Kastner: Mittelständische Unternehmen, die oft inhabergeführt sind, zeichnen sich in der Regel durch das Verfolgen langfristiger Strategien aus. In großen, von angestellten Managern geführten Konzernen werden überwiegend nur kurzfristige Ziele verfolgt, was oftmals fatale Folgen hat.  Unsere Region ist wirtschaftlich nahezu ausschließlich von mittelständischen Unternehmen geprägt. Diese Struktur sorgt in unserer Region, trotz der Globalisierung und der Anziehungs-kraft der Metropolen, für eine große Stabilität am Arbeitsmarkt.

Mittelständische Unternehmen sind schnell und flexibel. Ein gut funktionierendes Netzwerk mit  Forschungs- und Entwicklungszentren ist ein wichtiger Baustein für hohe Innovationskraft, die sie auf Grund ihrer Strukturvorteile im Vergleich zu großen Konzernen schneller in Produkte und Dienstleistungen und damit in wirtschaftlichen Erfolg umsetzen können.

Darüber hinaus bietet der Mittelstand seinen Mitarbeitern ein breites Aufgabenspektrum, größeren Gestaltungsspielraum durch weniger Hierarchie und Bürokratie sowie schnellere Aufstiegschancen bis in die Geschäftsleitung. Das fördert die Motivation und auch die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen.

In mittelständischen Unternehmen ist letztendlich auch eher eine werteorientierte, ethische Unternehmensführung anzutreffen, die sich insbesondere in Respekt und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern äußert. Auch das ist eine wichtige Grundlage für höheren wirtschaftlichen Erfolg.

meinsbh.de: Die EGT gehört zu den „Top100“ Innovatoren. Für welche innovativen Leistungen wurde die EGT ausgezeichnet? Wie wichtig ist, Ihrer Meinung nach, Innovation für ein Unternehmen allgemein?

Rudolf Kastner: Unser wachstumsstärkster Geschäftsbereich Energiehandel wurde bereits viermal in Folge mit dem Innovationspreis TOP 100 für mittelständische Unternehmen ausgezeichnet.
Maßgebend für die Auszeichnungen waren insbesondere die hohe Innovationsleistung bei der Entwicklung von Dienstleistungen und Produkten sowie die Umsetzungsstärke, aus den Innovationen schnellen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen.

Innovation ist der Motor für Erfolg und Wachstum eines Unternehmens. Es geht dabei aber nicht nur um Innovation von Produkten, um im Wettbewerb erfolgreich zu sein, sondern beispielsweise auch um innovative Geschäftsprozesse, Serviceleistungen, Vergütungssysteme und Führungskultur. Nur ein insgesamt innovatives Unternehmen wird im Wettbewerb nachhaltig die entscheidenden Erfolgsfaktoren für sich verbuchen können.

Wir verleihen jedes Jahr an der Hochschule Furtwangen  – in Erinnerung an Friedrich von Schoen als maßgeblichen Mitbegründer der EGT im Jahre 1896 – den „Friedrich von Schoen – Innovationspreis“. Der Preis ist mit einer Geldprämie von 1.500 Euro verbunden und wird  alljährlich einem Absolventen der Hochschule Furtwangen überreicht, dessen Abschlussarbeit sich inhaltlich durch einen besonders hohen Innovationsgrad, beträchtliche geistige Leistung, allgemein hohen wirtschaftlichen Wert sowie bedeutenden praktischen Nutzen für die jeweilige Bezugsgruppe (Unternehmen, Umwelt, Anwender etc.) auszeichnet. Der Preis soll Ansporn zur Leistung und zum innovativen Arbeiten sein.

Innovation steht also schon immer im Mittelpunkt unserer Unternehmenspolitik und wird nicht nur unternehmensintern, sondern auch extern gefördert.

meinsbh.de: In welcher erneuerbaren Energiequelle sehen Sie zukünftig das höchste Potenzial?

Rudolf Kastner: Das höchste Potenzial besitzt nach wie vor die Sonnenenergie. Bislang sind jedoch die technischen Möglichkeiten, diese Energie effizient zu nutzen und auch wirtschaftlich zu speichern, noch zu begrenzt, um den weltweit ständig steigenden Energiehunger zu stillen.

Aus technischer Sicht wird in den nächsten zwei Jahrzehnten vor allem die Windkraft (Offshore-Anlagen) eine maßgebliche Rolle bei der notwendigen Nutzung erneuerbaren Energiequellen spielen.

Die Nutzung erneuerbarer Energien wird allerdings bis auf Weiteres ohne Subventionen nicht auskommen.

meinsbh.de: Was macht, Ihrer Meinung nach, einen guten Unternehmer aus?

Rudolf Kastner: Ganz wichtig sind aus meiner Sicht Weitblick und ein ausgeprägter Sinn für strategisches Handeln. Ebenso gehören hohe Innovationskraft, eine stringente Zielverfolgung sowie die Fähigkeit, die besten Mitarbeiter für sich zu gewinnen und für die Unternehmensziele zu begeistern, zu wesentlichen Eigenschaften eines guten und erfolgreichen Unternehmers. Darüber hinaus sollte eine werteorientierte Unternehmensführung nach innen und außen (s.a. Frage 1) sowie das Vorleben der Werteorientierung und der eigenen Ansprüche Dritten gegenüber aktiv praktiziert werden.

meinsbh.de: Sie waren selbst über sechs Jahre im Ausland tätig. Welche Bedeutung schreiben Sie internationalen Erfahrungen für eine erfolgreiche Kariere zu?

Rudolf Kastner: In international tätigen Unternehmen ist internationale Erfahrung unabdingbar mit der Karriere verbunden. Wir leben in einer global agierenden Wirtschaft und ohne internationale Erfahrung können keine Führungspositionen erreicht werden.

Wenn möglich sollte man bereits während der Schulzeit und auf alle Fälle im Rahmen des Studiums erste Erfahrungen im Ausland sammeln. Dies wird bei der ersten Stellenbewerbung entscheidende Vorteile gegenüber andern mitbringen, die diese Erfahrung noch nicht gemacht haben.

Andere Kulturen und Lebensweisen kennen zu lernen ist nicht nur eine interessante Lebenserfahrung, sondern fördert auch die soziale Kompetenz in der Führung und Mitarbeit in international besetzter Teams im Unternehmen.

Persönlich hatte ich durch meine Auslandstätigkeit auch die Möglichkeit, in jungen Jahren Großprojekte zu führen. Eine Chance, die sich mir im Inland nicht geboten hätte. Große Erfolge in frühen Jahren ebnen schneller den Weg „nach oben“.

meinsbh.de: Angesichts des Ingenieurmangels in Deutschland wird es immer schwieriger für Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Warum, glauben Sie, lohnt sich ein Studium des Ingenieurwesens gerade heute besonders?

Rudolf Kastner: Technischer Fortschritt ist ohne Ingenieure nicht denkbar und weltweit gab es immer eine gute „Konjunktur“ für kluge Ingenieure. Der heutige Mangel an Ingenieuren in Deutschland zeigt noch mal deutlich, dass sich die Wahl eines Studiums des Ingenieurwesens lohnt.

In Kombination mit einem guten betriebswirtschaftlichen Basiswissen hat ein Absolvent hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten in der Wirtschaft. Die Spitzenpositionen in den Unternehmen sind regelmäßig von Personen mit entsprechendem Ausbildungshintergrund besetzt.

meinsbh.de: Welche Anreize bietet speziell die EGT Nachwuchskräften und Absolventen?

Rudolf Kastner: Die EGT steht für die Mitarbeit in einem innovativen, stark wachsenden Unternehmen. Die schnelle Übernahme von verantwortlichen Positionen, kurze Entscheidungswege, flache Hierarchien und der unmittelbare Kontakt zur Unternehmensführung sind wesentliche Merkmale unserer Unternehmens- und Führungskultur. Und natürlich erwartet jeden EGTler ein attraktives Arbeitsumfeld und nette Kolleginnen und Kollegen.

meinsbh.de: Sie haben zahlreiche Ämter inne. Wie managen Sie Ihren Alltag? Bleibt da noch Zeit für Freunde und Familie?

Rudolf Kastner: Wer nicht nur im Unternehmen sondern auch in der Gesellschaft etwas bewegen will, muss auch bereit sein, Ehrenämter zu übernehmen. Ich sehe hierin auch eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber, sich entsprechend zu engagieren.

Wenn der Einsatz für das Unternehmen und für die Gesellschaft von Erfolg gekrönt ist, dann ist auch eine 70-h-Woche keine Belastung. Unabhängig davon bedarf es aber auch eines guten Zeitmanagements und eines guten Mitarbeiterteams, um die Vielzahl der Aufgaben erledigen zu können.

Und ohne die Unterstützung und das Verständnis meiner Frau könnte ich diesen Einsatz ohnehin nicht leisten.

Für Familie und Freunde bleibt tatsächlich etwas wenig Zeit. Dafür wird diese umso intensiver genutzt, insbesondere um gemeinsam Sport zu machen oder Reisen zu unternehmen.

meinsbh.de: Worin sehen Sie Ihren bisher größten Erfolg, sowohl privat als auch beruflich?

Rudolf Kastner: (Beruf) Meinen größten Projekterfolg erzielte ich im Alter von 30 Jahren in Thailand als Inbetriebnahmeleiter des damals größten Gas- und Dampfturbinenkraftwerks der Welt. Diese Erfahrung hat mein Berufsleben durchaus geprägt.

Als Unternehmer bin ich heute sehr zufrieden, die EGT mit einem hoch motivierten Mitarbeiterteam aus der Position eines lokalen Dienstleistungsunternehmens in die Gruppe der TOP 25 unserer Branche in Deutschland geführt zu haben. Mein Ziel, die EGT auch international zu positionieren, habe ich allerdings noch nicht erreicht. Aber ich arbeite daran und bin sicher, daß wir auch hier entsprechende Erfolge erzielen werden.

(Privat) Ich führe ein glückliches Familienleben und freue mich über den Lebensweg und den Erfolg meiner Kinder.

Das Interview wurde von Studenten der Hochschule Furtwangen (Fakultät Wirtschaft) per Email geführt. (Juni 2008).

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