Nina Jäckle (Villingen-Schwenningen)
Geboren wurde Nina Jäckle am 20. Mai 1966 in Villingen-Schwenningen. Nach der Mittleren Reife verfolgte sie den Berufswunsch einer Übersetzerin für französische Literatur und besuchte Sprachschulen in Neuchâtel und Paris.
Mit 25 begann sie schließlich zu schreiben.
Sie zog über Hamburg, München und Wien nach Berlin. Dort bewarb sie sich mit einer ihrer Erzählungen beim Berlin-Verlag und wurde angenommen. Bisher wurden alle ihre Werke vom Verlag veröffentlicht.
Sie schreibt Prosa und Hörspiele und hat bislang zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien erhalten.
Momentan lebt Nina Jäckle in Frankreich.
meinsbh.de: Was hat Sie dazu bewogen, mit Mitte Zwanzig schließlich den Stift selbst in die Hand zu nehmen?
Nina Jäckle: Es gibt da kein Ereignis, keinen speziellen, großen Moment der Entscheidung, aus dem ich jetzt ein romantisches Tamtam machen könnte. Es erschien mir einfach logisch, evident sogar.
meinsbh.de: Sie schreiben Geschichten über gescheiterte Glücksjäger. Beinhalten Ihre Erzählungen auch persönliche Erfahrungen? Oder lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf?
Nina Jäckle: Ich glaube nicht, dass es im Schreiben einen „freien Lauf“ geben kann. Alles, was von mir ausgeht, beinhaltet Persönliches, so ist das mit uns Menschen leider, jeder unserer Gedanken beinhaltet uns als Denkenden, das Nicht-Persönliche fällt uns schwer. Ich versuche stets, mich zurückzunehmen, aber mein Vorhandensein im Text, das beginnt ja bereits beim Tonfall, den ich persönlich nun mal habe.
Sind meine Figuren gescheiterte Glücksjäger?
meinsbh.de: Wie entwickelt sich ein Roman? Haben sie von Anfang an einen Roten Faden im Kopf, oder fallen ihnen oft spontan neue Ideen ein, die Sie direkt beim Schreiben verarbeiten?
Nina Jäckle: Ich habe selten eine Geschichte als Geschichte im Kopf, es sind Sätze, die in ihrem Aufeinandertreffen ein Thema aufwerfen. Dann, im Weiterschreiben ergeben sich Plot und Dramaturgie.
meinsbh.de: Wollen Sie den Menschen mit Ihren Werken etwas Bestimmtes mit auf den Weg geben, welche Aussage haben Ihre Werke?
Nina Jäckle: Jedes Buch hat seine Aussage, und jedes Buch hat so viele Aussagen, wie es Leser hat. Ich hätte gerne viele Leser. Ohne festlegen zu wollen, was diese vom Lesen dann haben.
meinsbh.de: Haben Sie einen Lieblingsroman? Und welches Ihrer eigenen Werke ist für Sie das Gelungenste?
Nina Jäckle: Im Moment ist mein liebstes Lieblingsbuch „Le Feu oder Der Abbruch“ von Jean Améry. Und ich halte stets das nächste Buch für mein bestes.
meinsbh.de: Haben Sie ein schriftstellerisches Vorbild?
Nina Jäckle: Ich habe von einigen Schriftstellern viel gelernt. Aber diese Vorbildfrage nagelt fest und verleitet zum eitlen Vorführen des eigenen Bücherregals. Das mag ich nicht.
meinsbh.de: Ihre Texte zeichnen sich durch Kürze und Stringenz aus zudem wirken sie enorm durchkonstruiert – gleichzeitig haben sie etwas Aufgeräumtes. Kann man sagen, dass Sie sich durch das Schreiben auch selbst über Dinge Klarheit verschaffen, die Sie persönlich bewegen?
Nina Jäckle: Das Schreiben fordert eine gewisse Klarheit, ich weiß nicht, ob es Klarheit verschafft. Vielleicht sogar im Gegenteil, denn das Schreiben macht mir persönlich immer wieder klar, dass mir Klarheit im Grunde auch nichts nützt.
meinsbh.de: Woher rührt Ihre schachtelartige Erzählweise? Warum haben Ihre Figuren z.B. keine Haarfarbe oder Kleidungsstücke?
Nina Jäckle: Meine Figuren haben Haarfarbe und Kleidungsstücke. Nur, weil ich nicht darüber berichte, heißt das ja nicht, dass sie nackt und kahl sind. Das Auslassen ist Teil meines Schreibens. Ich empfinde meine Erzählweise nicht als schachtelartig, dazu kann ich also nichts sagen. Das wird mir immer wieder in den Mund gelegt. Ich schreibe nach Melodie.
meinsbh.de: Sie wirken bei dem Kunst-, Literatur- und Schulprojekt zur Sonne und Sonnenenergie „Solaris“ mit. Wie kam es zu Ihrem Engagement? Können Sie uns ein wenig darüber berichten?
Nina Jäckle: Ich hatte zu der Zeit des „Solaris“ Projektes ein Stipendium in Schöppingen. Ich wurde gebeten, mich mit einem Text zu beteiligen, was ich gern tat, denn ich hielt dieses Schulprojekt für sinnvoll. Außerdem war es ein finanziertes Projekt, das ist selten genug…
meinsbh.de: Sie haben schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Welche Bedeutung hat die Öffentlichkeit für Sie?
Nina Jäckle: Die Öffentlichkeit ernährt mich, so auch die Stipendien.
