Volker Kauder MdB (Tuttlingen)

Interview mit Herrn Volker Kauder MdB (Tuttlingen)

Volker Kauder wurde am 3.09.1949 in Sinsheim bei Heidelberg geboren. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er Mitglied der CDU. 1971 nahm er das Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg auf, welches er 1975 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Nach dem Referendariat legte er 1977 auch das zweite Staatsexamen ab und trat 1979 in die Verwaltung des Landes Baden-Württemberg ein. Ab 1980 war er stellvertretender Landrat des Landkreises Tuttlingen, wo er bis heute lebt.

meinsbh.de: Sie sind wie Ihr Vater und Ihr Bruder Mitglied der CDU. Wurde Ihr Interesse an der Politikvor allem durch Ihren Vater geweckt?Kann man sagen, dass die Mitgliedschaft der CDU eine Tradition Ihrer Fam ilie ist?

Volker Kauder: Mein Interesse an Politik wurde im Elternhaus aber auch in der Schule geweckt. Es waren immerhin die so genannten 68er Jahre, die die Jugend stark politisiert haben. In die CDU kam ich vor allem wegen der Deutschlandpolitik und weil die CDU Politik auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes macht.

meinsbh.de: Sie sind unter anderem auch sehr sozial engagiert. Können Sie uns von Ihren Erfahrungen und Tätigkeiten berichten?

Volker Kauder: Ich war 10Jahre Sozialdezernent im Landkreis Tuttlingen und habe deshalb sehr viele persönliche Erfahrungen mit Bürgern in schwierigen Situationen gemacht. Besonderes Interesse galt immer den psychisch kranken Menschen, da sie vor allem in früheren Jahren kaum eine Lobby hatten. Zusammen mit engagierten Frauen und Männern habe ich in Tuttlingen einen sozialpsychiatrischen Förderkreis gegründet, der für viele psychisch kranke Menschen zu einer zweiten Heimat geworden ist.

meinsbh.de: Durch viele Gespräche mit Jugendlichen über ihre Zukunft versuchen Sie, ihnen Zuversicht, Hoffnung und Perspektive zu geben. Wie überzeugen Sie die jungen Menschen davon, dass sie in ihrem Land gebraucht werden?

Volker Kauder: Gerade in unserer Heimat ist es relativ einfach, den Menschen zu zeigen, dass sie gebraucht werden. Wir haben eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten im ganzen Land und bei uns werden Fachkräfte dringend gesucht. Also junge Frauen und Männer, die die vielfältigen Chancen der qualifizierten Ausbildungen unserer Region nutzen, haben die besten Zukunftsaussichten.

meinsbh.de: Unsere Gesellschaft wird immer älter – gleichzeitig fehlt der Nachwuchs. Was sollte man Ihrer Meinung nach unternehmen, um den Deutschen das Kinderkriegen „schmackhafter“ zu machen? Wie sieht speziell in unserer Region die Förderung von, zum Beispiel, Ganztagesbetreuungsplätzen für Kleinkinder aus?

Volker Kauder: Die Bundesregierung hat mit ihrem Konzept zur Ganztagesbetreuung eine wichtige Perspektive für junge Familien gegeben, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Aber auch die Familien, die ihre Kinder in den ersten Jahren zu Hause betreuen, verdienen unsere Anerkennung und sollen deshalb ein Betreuungsgeld erhalten. Kinder zu haben, hat auch etwas mit Zukunftsperspektive zu tun und die ist in unserer Region ja ausgezeichnet. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass wir beispielsweise im Landkreis Tuttlingen eine der besten Geburtenraten unseres Landes haben.

meinsbh.de: Wie stehen Sie zur Aufstellung von Gesine Schwan seitens der SPD zur Bundespräsidenten-Wahl?

Volker Kauder: Bundespräsident Horst Köhler macht eine ausgezeichnete Arbeit und er ist bei den Menschen beliebt. Einen solchen Bundespräsidenten darf man nicht aus dem Amt drängen.

meinsbh.de: Sie werden immer wieder als „rechte Hand“ Angela Merkels bezeichnet. Machen Sie solche Aussagen stolz?

Volker Kauder: Stolz ist eine Kategorie, die mir etwas fremd ist. Ich freue mich aber, dass ich zusammen mit unserer Kanzlerin einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung unseres Landes leisten kann.

meinsbh.de: Sie pflegen Kontakte in alle Welt. Sie besuchten im März dieses Jahres verschiedene Staaten Lateinamerikas. Wie wichtig ist es, Kontakte mit dem Ausland zu pflegen? Was wollten Sie mit diesem Besuch bezwecken?

Volker Kauder: Ich bin sehr heimatverbunden und freue mich daher, wenn ich in meinem Wahlkreis unterwegs sein kann. Aber in der Zeit der Globalisierung gehört es schon dazu, handelnde Politiker in anderen Ländern persönlich zu kennen und sich über Entwicklungen in der Welt vor Ort zu informieren. So habe ich beispielsweise in Indien eine junge dynamische Gesellschaft vorgefunden, mit jungen Menschen, die im Wettbewerb ihre Chancen auf Wohlstand suchen. Und in Lateinamerika habe ich eine neue Hoffnung erlebt, die sich auf die Entwicklungschancen durch nachwachsende Rohstoffe gründet, wenn gleich dort die Gesellschaft noch sehr stark in reich und arm geteilt ist.

meinsbh.de: Zudem fand vor kurzem ein Treffen mit dem Dalai Lama statt. Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen?

Volker Kauder: Der Dalai Lama ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Schon in den ersten wenigen Minuten einer Begegnung versteht er es, einen ganz gefangen zunehmen. Ich habe aber auch einen sehr ernsten und besorgten Religionsführer erlebt, der vor allem befürchtet, dass sein Tibet durch starken Zuzug von Chinesen überfremdet werden könnte.

meinsbh.de: Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Lage Deutschlands, sowie auch die der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, im Bezug auf die Globalisierung, ein?

Volker Kauder: Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ist eine der stärksten Wirtschaftsregionen in Baden-Württemberg. Unsere vorwiegend mittelständischen Unternehmen haben Beziehungen in die ganze Welt und haben sich schon längst auf die Globalisierung eingestellt. Die Produktion in ausländischen Standorten hat Arbeitsplätze auch in der eigenen Region gesichert und fehlende qualifizierte Arbeitskräfte könnten zu einer Wachstumsbremse werden. Deshalb ist es richtig, dass wir in unserer Region qualifizierte Bildungseinrichtungen haben und wir die jungen Menschen vor Ort ausbilden und damit die Chance besteht, sie auch in unserer Heimat halten zu können.

meinsbh.de: Sie sind außerdem auch sehr kunstbegeistert. Bildet die Kunst eine Art ausgleichenden Ruhepol zum hektischen Alltag in der Politik?

Volker Kauder: Wir Politiker haben – oft geprägt durch unsere Arbeit und unsere Erfahrungen – einen begrenzten Blick auf das Leben. Kunst eröffnet uns neue Sichtweisen und kann uns so bereichern.

 –

Das Interview  für das Projekt “Interviews mit Persönlichkeiten aus der Gewinnerregion Schwarzwald-Baar-Heuberg” von Studenten der Hochschule Furtwangen geführt. (Juni 2008)

Veröffentlicht: 3.9.08

Hinterlasse einen Kommentar

To submit your comment, click the image below where it asks you to... Clickcha - The One-click Captcha