Peter Michael Binder (Tuttlingen)

Interview mit Peter Michael Binder (Tuttlingen)

Peter Michael Binder führt das Familienunternehmen BINDER GmbH seit 1982. Sehr großen Wert legt er auf die Unverwechselbarkeit der Marke und der Produkte über das Design.
Die Binder GmbH hat sich auf die Simulation exakter physikalischer, chemischer
und biologischer Umgebungsbedingungen für industrielle und wissenschaftliche
Labors konzentriert. Mit derzeit weltweit 300 Mitarbeitern erwirtschaftete Binder
2007 rund 43Mio.€ Umsatz. Der Absatz erfolgt über Tochtergesellschaften oder Vertriebsstützpunkte mit Kunden in mehr als 120 Ländern.

meinsbh.de: Sie bieten eine Breite Palette kundenspezifischer Produkte. In welchen Bereichen werden sie eingesetzt?

Peter Michael Binder: Simulationsschränke werden hauptsächlich im wissenschaftlichen und im industriellen Bereich eingesetzt. Im ersteren geht es hauptsächlich um das Langzeitlagern und beliebigen Vermehren von biologischem Material. Hauptkunden hierfür sind vor allem die pharmazeutische Industrie, die Biotech-Industrie, die Lebensmittelindustrie und die Spitzenforschungsinstitute an Universitäten, Kliniken und privaten Einrichtungen. Im industriellen Bereich geht es um die Qualitätssicherung durch beschleunigte Alterung, hervorgerufen durch extreme Temperaturen und Klimata.

meinsbh.de: Warum haben Sie sich dazu entschlossen den Weg ihres Vaters nicht fortzuführen? Wie hat sich Ihr Unternehmen über die Jahre hinweg weiterentwickelt?

Peter Michael Binder: Die Produkte des väterlichen Unternehmens hatten ein relativ niedriges Know-How-Niveau und konnten so an einem derart teuren Standort wie Deutschland nicht mehr weiter gefertigt werden. Dies und die Möglichkeit, mit einem neuen Geschäftsmodell in völlig andere Größenordnungen wachsen zu können, haben den Ausschlag gegeben, dieses Risiko in Kauf zu nehmen.

meinsbh.de: Wie wichtig sind der Binder GmbH Investitionen in Forschung und Entwicklung?

Peter Michael Binder: Investitionen in Forschung und Entwicklung sind für die BINDER GmbH von enormer Bedeutung. Innovationen im Bereich Simulationsschränke sind schlicht und ergreifend der Wachstumsmotor unseres Unternehmens und haben zu einer nachhaltigen Differenzierung zu Wettbewerbern geführt und sind somit die Quelle unseres Erfolgs. Wir haben 2005 unser hochmodernes FEZ (Forschungs- und Entwicklungszentrum) in Tuttlingen eingeweiht. Hier findet ein großes Team an Ingenieuren aus den Bereichen mechanische Konstruktion, Elektrotechnik, Regelungstechnik, Verfahrenstechnik und Strömungstechnik optimale Arbeitsbedingungen. Wir wenden deutlich über 10% unseres Umsatzes für Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten auf.

meinsbh.de: Sie haben Geschäftspartner in 120 Ländern. Haben Sie schon einmal in betracht gezogen Ihre Produktion ins Ausland zu verlegen? Warum haben Sie es nicht getan?

Peter Michael Binder: Natürlich haben wir die Option einer Auslandsfertigung mehrfach überprüft, sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass Deutschland nach wie vor ein hervorragender Produktionsstandort für komplexe Geräte ist, wenn Management und Belegschaft vertrauensvoll zusammenarbeiten. Dies ist bei uns der Fall, wie die langjährige Success-Story von BINDER eindrucksvoll belegt.

meinsbh.de: Was machen Sie um sich von der Konkurrenz abzuheben?

Peter Michael Binder: Maximaler Kundennutzen besteht aus drei Dingen: einer überlegenen Produktleistung, einer Top-Beratung beim Verkauf und einer Top-Serviceleistung nach dem Verkauf über die Lebensdauer des Produkts. Diese drei Dinge wollen wir besser machen als unsere Wettbewerber und darum kämpfen wir jeden Tag.

meinsbh.de: Die Binder GmbH vergibt seit 1998 den Binder Innovationspreis. Welche Ziele erhoffen Sie sich?

Peter Michael Binder: Zum einen wollen wir Wissenschaftler motivieren, in unserem Kerngebiet rund um die Zellkulturen Außergewöhnliches zu leisten. Die hohe Qualität der abgegebenen Arbeiten der vergangenen 10 Jahre steht für die Güte und Attraktivität dieses Preises. Natürlich wollen wir auf diesem Weg auch den Namen BINDER in der Wissenschaft verankern und sie bereits im Forschungsbereich gerätetechnisch optimal unterstützen.

meinsbh.de: Ingenieure sind inzwischen in Deutschland Mangelware. Welche Anreize, Perspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten bieten Sie um die Fachkräfte zu gewinnen?

Peter Michael Binder: Die desolate Entwicklung des Arbeitsmarkts bei technischem Personal, insbesondere bei Ingenieuren, hat mittlerweile durchaus die Dimension eines echten Standortnachteils für Deutschland erreicht. Als Industrieunternehmen sind wir an einer langfristigen Sicherung unseres Personalbedarfs vital interessiert. Hierbei benutzen wir die volle Spannweite des Personalmarketings. Insbesondere aber haben wir auch unsere Aufwendungen im Ausbildungsbereich erheblich gesteigert und bieten mehr und mehr Karriereentwicklungspläne für fähige Mitarbeiter nach amerikanischem Vorbild an. Neben vertikalen Karrieren, die in Richtung Führung von Mitarbeitern und Tragen von Verantwortung für diese abzielen, ermöglichen wir auch horizontale Karrieren hinsichtlich einer tiefen Spezialisierung. Immer mehr werden auch berufsbegleitende Weiterbildungsprogramme bis hin zu Ausbildungskursen an international bekannten Business-Schools wie der London Business School von uns finanziert. Unsere Förderung und das Engagement für die Fachhochschule Furtwangen, Kampus Tuttlingen, ist bekannt.

meinsbh.de: Sie scheinen die Herausforderung zu lieben und stecken sich sowohl privat als auch beruflich hohe Ziele. Können Sie uns einige davon nennen?

Peter Michael Binder: Ja, ich liebe Herausforderungen. Allerdings habe ich manchmal den Eindruck, dass ich nicht die Herausforderungen suche, sondern diese mich. In jedem Fall bemühe ich mich, die Dinge, welche ich tue, gut zu machen. Insbesondere meinen Job, das Skifahren und meine große Leidenschaft, die Jagd.

meinsbh.de: Woraus schöpfen Sie Ihre Kraft? Woher kommt Ihr Ehrgeiz?

Peter Michael Binder: Erfreulicherweise bin ich mit einer guten Konstitution ausgestattet. Offensichtlich habe ich auch ein feines Gespür für meinen Körper, rechtzeitig nachzugeben, bevor dieser ernsthaft unter einer zu großen Belastung leidet. Entscheidet für Höchstleistungen sind natürlich auch Entspannungsphasen und positive Erlebnisse, vor allem auch im privaten Umfeld, also Freude am Leben. Dies ist sicherlich eine unerschöpfliche Quelle der Kraft. Warum man das alles tut? Vermutlich aus Egoismus. Ich glaube es ist so ähnlich wie ein Sportler, der sich jeden Tag beweisen muss, dass er noch ein bisschen schneller laufen oder etwas höher springen kann.

meinsbh.de: Sie sind ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, wie schaffen Sie es trotzdem noch Zeit für ihre Familie zu finden?

Peter Michael Binder: Das Thema Work-Life-Balance beschäftigt mich zunehmend. Zu Beginn meiner Karriere als Unternehmer habe ich drei Tage die Woche studiert und vier Tage gearbeitet – nach Abschluss meines Studiums der Elektrotechnik dann nur noch gearbeitet. Heute kann ich sagen: Montag bis Freitag gehöre ich dem Unternehmen. Die Wochenenden sind eher für den privaten Bereich reserviert und dabei fühle ich mich wohl. Damit mich die ständig wachsende Arbeitsfülle nicht erdrückt, muss die Entwicklung des Top-Managements und der Organisation kontinuierlich vorangetrieben werden – was jedoch in einem so rasant wachsenden Unternehmen wie BINDER nicht immer einfach ist.

meinsbh.de: Was war Ihrer Meinung nach Ihr größter Erfolg?

Peter Michael Binder: Erfolge gibt es einige. Es ist schwer, den größten herauszusuchen, zumal die Success-Story BINDER ja noch weiter geht. Ein großer Erfolg für mich als Ingenieur war natürlich die Erfindung der APT-Line Technologie und das anschließende Aufrollen der Weltmärkte. Aber wie gesagt, die Reise ist noch nicht zu Ende, und die Antwort auf diese Frage in vielleicht zehn Jahren wird sicherlich anders ausfallen.

Dieses Interview wurde von Studenten der Hochschule Furtwangen geführt. (Sommersemester 2008)

Die Projektgruppe wird ehrenamtlich geleitet von  Matoma Internet Consulting, Trossingen.

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