Dr. Günther Möckesch (Triberg)
Herr Doktor Günther Möckesch wurde 1956 in Triberg geboren. Er studierte Maschinenbau in Karlsruhe, obwohl er am liebsten Archäologie studiert hätte, da er bereits damals, wie auch heute noch sehr an Geschichte interessiert ist.
Mit 31 Jahren war er der jüngste Produktionsleiter Deutschlands bei der Müller Weingarten AG. 1990 wurde er Verantwortlicher für die Forschung und Entwicklung bei SAP und machte sich später in Boston selbstständig und ist es bis heute.
Obwohl er in Miami lebt, engagiert er sich dennoch als Investor in seiner Heimatregion Schwarzwald-Baar-Heuberg und besucht sie regelmäßig.
meinsbh.de: Sie haben der Unternehmung Förderer-Magnetsysteme in Niedereschach als Investor wie auch als Berater tief unter die Arme gegriffen. Können Sie uns Ihre Vorgehensweise erläutern, wie Sie die Schwachpunkte einer Unternehmung erkennen und beseitigen und warum Sie Firma Förderer ausgewählt haben?
Dr. Günther Möckesch: Auf Grund der Kreditkrise in Amerika, in der auch viele Banken in Deutschland involviert sind, haben mittelständischen Unternehmen wie Förderer der Zeit Schwierigkeiten Kredite bei Banken zu bekommen. Viele Banken sind nun sehr zurückhaltend geworden, was die Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmung erheblich einschränkt. Zudem freue ich mich wieder im Bereich des Maschinenbaus, was ich studiert habe, arbeiten zu können.
Um die Produktivität effizient zu erhöhen und den Verschleiß zu mindern haben wir mit externen Beratern unsere Stücklisten wie die Produktionsplanung neu verfasst. Dies sind häufige Schwachstellen, die in vielen mittelständischen Unternehmen anzutreffen sind.
Als ich bei Förderer Investor wurde, waren wir nur C- Lieferant. Mittlerweile gehören wir zu den A- Lieferanten, weil wir durch Qualität unserer Produkte überzeugen konnten. Ebenso war die Umsatzrendite im Minus, wir befinden uns heute aber wieder im Aufschwung. Unser Ziel ist es nun den Umsatz in den nächsten 5 Jahren zu verdoppeln.
meinsbh.de: Welches Leitbild muss Ihrer Meinung nach ein Unternehmen haben, um erfolgreich und langfristig wirtschaften zu können?
Dr. Günther Möckesch: Ein Unternehmen muss eine saubere, konsequente Strategie entwickeln und verfolgen. Es muss darauf achten eine hohe Kundenzufriedenheit zu erreichen und beizubehalten, wie auch zufriedene und motivierte Mitarbeiter an seiner Seite zu haben.
meinsbh.de: Sie sind Mitgründer der Erlebniswelt Triberg. Welcher Grundgedanke steckt hinter diesem Projekt und wie haben Sie ihn realisiert?
Dr. Günther Möckesch: Es gibt zwei dafür zwei Grundgedanken. Der erste ist, dass meine Mutter einer Tribergerin war und ich gerne, wenn ich in Deutschland bin meinen Aufenthalt in Triberg verbringe. Der zweite ist, dass dort eine ganz spezielle Situation, wie auch ein Grundtourismus herrscht. Triberg war ursprünglich von der mechanischen Uhrenindustrie geprägt. Man siedelte sich im Stadtzentrum an nahe dem Wasserfall, der als Energielieferant diente. Als jedoch in den sechziger Jahren ein Umbruch in der Uhrenindustrie geschah und Triberg diesen komplett verschlafen hatte, brach der Wirtschaftsstandtort zusammen. Heute befindet sich ein Riesenloch im Stadtinneren, da die damaligen Fabrikgebäude abgerissen wurden. Als der Tourismus, welcher hauptsächlich Tagestourismus ist, rückläufig wurde fragte mich die Stadt, ob ich ihnen, wegen meines Engagements an dem Parkhotel Wehrle, bei Realisation des Projektes „Erlebniswelt Triberg“ helfen könne.
Seitdem arbeite ich an diesem Projekt, habe die Betreiberrechte für den Wasserfall erworben und habe es zu einer Aktiengesellschaft gemacht, um es an die Börse zu bringen. Zwar wird es durch die Landesregierung unterstützt, aber in Form einer AG bekommen wir mehr finanzielle Mittel für den Fortbestand des Projekts und die Triberger können sich in Form von Aktien daran beteiligen.
meinsbh.de: Man könnte Sie auch als „ Samariter der Region“ bezeichnen. Sie haben dem Parkhotel Wehrle in Triberg wie auch der Förderer- Magnetsystemen in Niedereschach mit Geld, Rat und Tat zur Seite gestanden. Was waren Ihre Gründe für Ihr Handeln am Parkhotel?
Dr. Günther Möckesch: Ich bin kein Samariter der Region.
Ich bin sozial orientiert versuche die Mitarbeiter am Erfolg zu beteiligen.
Wie schon erwähnt liegt meine Heimatverbundenheit daran, dass meine Mutter aus Triberg stammt und ich mich gerne bei meinen Deutschlandaufenthalten in Triberg aufhalte und im Parkhotel Wehrle wohne.
meinsbh.de: Können Sie uns bitte ein wenig über die Umgestaltung des Parkhotels Wehrle berichten?
Dr. Günther Möckesch: Ich bin 2001 als Partner an dem Parkhotel Wehrle eingestiegen mit einer damaligen Auslastung von 17 %, die wir bis heute um den Faktor 4 erweitern konnten. 2003 -04 haben wir das komplette Hotel renoviert und mit antikem Mobiliar ausgestattet. Daraufhin erfolgte 05-07 der Umbau wie auch Anbau eines großzügigen Wellnessbereiches. Nun bieten wir 160 Behandlungen an, zu denen auch medizinische Programme gehören. Wir können Mittels Blutbilder einen auf den Kunden spezifisch entwickelten Ernährungsplan erstellen, der ihnen mit Leichtigkeit nicht nur eine gesunde und ausgewogene Ernährung garantiert, sondern auch für den Gewichtsverlust enorm hilfreich ist. Zudem besitzen wir 5 Sterne, bieten das internationale Programm „Time share“ an und sind wieder das renommierteste Haus am Platz.
meinsbh.de: Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Lage Deutschlands ein?
Dr. Günther Möckesch: Deutschland besitzt relativ viel Facharbeiterpotential, da es die beste Ausbildung in für Facharbeiter wie auch für Ingenieure anbietet. Dennoch denke ich, dass Deutschland auf Dauer gegen Länder wie Indien allein quantitativ verlieren wird. Denn mit der Globalisierung sind nicht nur die Märkte transparenter geworden, sondern auch die Rollen als Investoren, Unternehmern, Konsumenten und Arbeitern. In alle diesen Bereichen herrscht nun eine international Konkurrenz.
Früher waren wir als Volkswirtschaft isoliert, doch die Zeiten haben sich geändert. Meiner Meinung nach hat Deutschland noch nicht verstanden, wie man international agiert und konkurrenzfähig ist. Wir haben eine sehr hohe Steuerlast, wie kaum in anderen Ländern der Fall ist. Diese Last trägt vor allem der Mittelstand, was sehr bedauerlich ist, weil ca 99 % der deutschen Firmen mittelständische Betriebe sind und somit kaum eine Chance auf einen Aufstieg bekommen.
In Deutschland scheint es so zu sein, dass wenn ein Manager erfolgreich ist bekommt er viel Geld, wenn er nicht erfolgreich ist, bekommt er nicht ganz so viel Geld. Die Topgehälter sind meist nicht mehr leistungsorientiert, sondern sind mit der Position verknüpft. In Amerika dagegen wird man noch leistungsorientiert besoldet. Wenn man ein Geschäft in den Sand setzt, bekommt man die Konsequenzen zu spüren. Deutschland sollte anfangen sich den Veränderungen der Globalisierung an zu passen, da ansonsten Länder wie Indien, China und Japan sie schnell einholen und sogar übertrumpfen werden.
meinsbh.de: Sie haben in Florida zwei Häfen gekauft, umgebaut und die entstandenen Liegeplätze an Yachtbesitzer verkauft. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen bzw. auf diese Marktlücke gestoßen? Hat Sie die Immobilienkrise in den USA auch getroffen?
Dr. Günther Möckesch: Die Idee entstand dadurch, dass ich keinen Anlegeplatz für mein erstes Boot in Miami gefunden habe. Also kaufte ich die Häfen, lies sie umbauen, nahm mir einen eigenen Anlegeplatz und verkaufte die Übrigen.
Ich bin frühzeitig aus dem Immobiliengeschäft ausgestiegen, da ich es hatte kommen sehen.
Wenn der Wert der Häuser stetig immens steigt, ebenso die Verkäufe der Häuser steigen, bei gleich bleibenden Gehältern, ist dies ein Indikator, dass etwas seitens der Banken nicht stimmen kann. In der Tat haben sie angefangen sehr „kreative Bankgeschäfte“ anzubieten und haben den Anschein vermittelt, dass man sich die Häuser immer leisten könne, auch wenn man keine Sicherheiten anbieten kann. Natürlich hat die amerikanische Bevölkerung diese Sub-prime Kredite angenommen und wir haben alle mitbekommen wie es geendet hat.
meinsbh.de: Was zeichnet für Sie eine gute Unternehmerin, ein guter Unternehmer aus? Welche Charaktereigenschaften sollten die Führungspersonen mit sich bringen?
Dr. Günther Möckesch: Die Hauptaufgabe eines jeden Unternehmer oder einer Führungsperson ist es sein Profit zu maximieren. Das Hauptergebnis ist wiederum leider in der Zwischenzeit so, dass die Mitarbeiterkomponente nicht mehr als allzu wichtig gesehen wird. Viele Unternehmer vergessen zu leicht, dass der Unternehmenserfolg mit der Arbeit und auch der Motivation der Mitarbeiter abhängt.
Besonders in Amerika wird die Unternehmensloyalität relativ klein geschrieben. Man lebt nach dem „hire and fire“ Prinzip. Sie sind bereit Risikos einzugehen, was ich persönlich als eine sehr wichtige Eigenschaft erachte. Wenn etwas schief läuft, steht man wieder auf.
Ich empfinde diese Haltung keines falls als negativ, da jeder Mensch der Unternehmer für sich selbst ist, und wenn er das nicht erkennt delegiert er die Verantwortung für sein Leben an jemand anderen.
meinsbh.de: Was war für Sie persönlich Ihr bislang größter Erfolg?
Dr. Günther Möckesch: Erfolg im geschäftlichen Sinn habe ich explizit keine Antwort. Ansonsten, dass ich unabhängig, mein eigener Chef bin und mir keiner sagt was ich machen muss. Ebenso, dass ich es geschafft habe mich in mehreren Kulturen zurechtzufinden. Mein Vater stammt aus Rumänien und nun lebe ich in Amerika. So etwas wie einen Kulturschock habe ich nie erlebt, da ich denke, dass dies die eigene Unfähigkeit ist sich mit der fremden Kultur auseinander zu setzen.
meinsbh.de: Was vermissen Sie am meisten an Deutschland?
Dr. Günther Möckesch: Die Berge und die deutsche Gemütlichkeit. Wenn ich hier im Schwarzwald in eine Kneipe reinkomme gibt es so einfache Dinge wie Linsen mit Würstchen und Bier vom Fass.
Ich denke, je älter man wird, desto mehr vermisst man immer mehr Dinge aus seiner Jugend.
meinsbh.de: Was wird Ihr nächstes Projekt sein? Was haben Sie für Ihre Zukunft geplant?
Dr. Günther Möckesch: Das kann ich nicht sagen, weil ich es noch nicht weiß. Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich kein Projekt mehr brauche. Ich habe mich erst vor kurzem gegen ein Hotelbau-Projekt auf einer Insel entschieden.
meinsbh.de: Wie kamen Sie zu Ihren bisherigen Projekten? Wurden Sie angesprochen?
Dr. Günther Möckesch: Meine Projekte wurden mir teilweise angeboten viele davon waren aber auch meine eigenen Ideen. Ich bevorzuge allerdings eher schwierig realisierbare Projekte, da ich die Herausforderung liebe.
Ich hatte bisher das Glück, dass all meine Großprojekte erfolgreich waren auch wenn ein Kleineres nicht funktioniert hat. Man darf nur nicht danach aufgeben, sondern gleich mit etwas Neuem anfangen.
Man lernt erst dann die Höhen zu genießen, wenn man zuvor Tiefen durchlebt hat.
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Dieses Interview wurde persönlich, in einem face-to-face Interview mit Herrn Doktor Möckesch durchgeführt.
Die Antworten wurden von der Projektgruppe aus ihren Aufzeichnungen verfasst.
Das Interview wurde im Frühjahr 2008 von Studenten der Hochschule Furtwangen für das Netzprojekt der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg (www.meinsbh.de) geführt.
