Dipl.-Ing. Erich Willimsky (Furtwangen)

Interview mit Dipl.-Ing. Erich Willimsky (Furtwangen)

Dipl.- Ing. Erich Willimsky wurde am 05.09.1949 in Furtwangen geboren.
Er studierte an der FH Esslingen und an der TH Darmstadt Maschinenbau und begann seine Karriere als Ingenieur bei der Fa. KSB in Frankenthal.
Seit 1988 ist er Geschäftsführer und Managing Director der Scherzinger GmbH & Co. KG in  Furtwangen.

meinsbh.de: Sie sind auf vielen Messen anzutreffen, wie wichtig ist Ihnen der persönliche Kundenkontakt?

Erich Willimsky: Der persönliche Kundenkontakt ist uns sehr wichtig – er ist durch nichts zu ersetzen – nicht durch Telefon und nicht durch E-Mail.

meinsbh.de: Sie agieren weltweit. Haben Sie in Zukunft weitere Standorterweiterungen im Ausland geplant?

Erich Willimsky: Wir gehen da ins Ausland, wo Märkte für unsere Produkte sind. Dabei müssen wir stets aufpassen, dass wir uns mit unseren limitierten personellen Ressourcen nicht verzetteln. Wir werden z.B. noch nach Brasilien und Japan gehen, wo sich sicherlich auch Chancen für Scherzinger bieten. In 2008 liegt der Schwerpunkt auf einer Verstärkung der Basis zuhause – schließlich sollen neue Märkte nicht zu Lasten bestehender Kunden erschlossen werden.

meinsbh.de: Der Hauptsitz der Pumpenfabrik Ernst Scherzinger GmbH& Co. KG befindet sich immer noch in Furtwangen. Was macht die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg für Sie zu einem so attraktiven Standort?

Erich Willimsky:  Scherzinger wurde vor über 70 Jahren in Furtwangen gegründet und ist hier quasi „aufgewachsen”. Da entstand eine Stamm-Mannschaft mit Betriebstreue und Bodenständigkeit. Sie wird durch junge Menschen kontinuierlich erneuert, die sich in dieser Region auch wohl fühlen.
Die Charaktereigenschaften dieser Menschen passen zur Firma und zum Produkt.

meinsbh.de: Was verbinden Sie persönlich mit der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg (Gewinnerregion)? Wie schätzen Sie ihr wirtschaftlichesvPotential ein?

Erich Willimsky: Unsere Region bietet eine gute Mischung aus Industrie und Natur, sie ist nicht überlaufen, nicht zu dicht besiedelt und doch angekoppelt an die große Welt. Für Aus- und Weiterbildung ist eine gute Struktur vorhanden – da nimmt man Nachteile an anderer Stelle in Kauf.
In unseren Führungsleitsätzen stehen Familie, Umwelt und Gesundheit ganz weit oben.
Das wirtschaftliche Potenzial ist fast ideal für die typischen KMUs, die kontinuierliches
Wachstum aufweisen, sich auch regelmäßig erneuern und mit Neugründungen ergänzt werden.

meinsbh.de: Worin sehen Sie die Hauptvorteile in einer internationalen Produktion?

Erich Willimsky: Wir haben z. Zt. noch keine internationale Produktion. Wir prüfen seit über 10 Jahren immer wieder, ob eine Auslandsproduktion Sinn macht – bisher sprach jedoch die Risiko-Abwägungen stets dagegen. Dabei ist das „billiger Produzieren” für uns zweitrangig – es sind eher der Druck der lokalen Wertschöpfung von Seiten mancher Kunden oder jetzt z.B. die stark steigenden Transportkosten, die auch uns regelmäßig zu solchen Überlegungen zwingen.

meinsbh.de: Sie sind Geschäftsführer und Managing Director: Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsgeheimnis um am internationalen Markt konkurrenzfähig zu sein und auch künftig zu bleiben?

Erich Willimsky: Es gilt, die richtige Mischung zu finden aus einem regionalen Netzwerk in Verbindung mit globalem Handeln. Eine sinnvolle Kombination aus Innovationen und etablierten Produkten, verbunden mit der Anpassung an länderspezifische Gegebenheiten sichert den Markterfolg auch international. Dabei sind die richtige Auswahl und der konsequente Ausbau von Kernkompetenzen entscheidend für den Erhalt der Konkurrenzfähigkeit.

meinsbh.de: Neben einer breiten sehr breiten Produktpalette von verschiedensten Pumpenmodellen bieten Sie auch Pumpen für andere Industriezweige, wie zum Beispiel Chemical, Medical und  Energy an. Welcher Branche schenken Sie die größte Bedeutung?

Erich Willimsky: Wir streben eine Balance unter den Geschäftsfeldern an, in denen wir tätig sind, um eine gewisses Maß an Branchenunabhängigkeit zu erreichen. Dazu ist es erforderlich, da zu pushen, wo wir noch schwach sind – ohne dabei andere Bereiche, die  gut laufen, zu sehr zu vernachlässigen. Das ist nicht immer leicht. So müssten wir z.B. derzeit der Medizintechnik mehr Aufmerksamkeit schenken, müssten aber dazu einige interessante Automotive – Projekte vernachlässigen.

Hier ist es wie bei der Internationalität:Prioritäten setzen und nicht auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen!

meinsbh.de: Was tun Sie selbst für den Umweltschutz? Machen Sie auch privat von erneuerbaren Energien gebrauch?

Erich Willimsky: Wir haben zuhause privat rund 30 TSD Euro in eine Solaranlage investiert. Ich versuche, so oft wie möglich zu Fuß zu gehen und ich meide Aufzüge.

meinsbh.de: Was führte Sie zur Scherzinger GmbH & Co. KG? Und was hält sie hier?

Erich Willimsky: Mein Großvater hat 1937 die Firma gegründet. Wenn Sie in alten Erinnerungen nachlesen, was er und die Familie für den Fortbestand der Firma getan haben, ist es echt wert, dieses Erbe zu erhalten und auszubauen. Ich arbeite gerne bei Scherzinger und mein Wunsch ist es, die Firma so aufzustellen, dass jemand meine Aufgabe einmal gerne übernimmt.

meinsbh.de:  Welche Charaktereigenschaften zeichnen Ihrer Meinung nach einen guten Unternehmer/gute Unternehmerin aus?

Erich Willimsky: Ein(e) guter Unternehmer(in) verfügt über einen authentischen Führungsstil- welcher Art auch immer -, der selbstverständlich in die Zeit, zu dem Unternehmen und zu seinen Mitarbeitern, zu seinen Produkten und zu den Prozessen passen muss.
Eine Vision/ein „Unternehmertraum” sowie die Energie und Ausdauer, diesen Traum zu verwirklichen, sind ebenso wichtig wie Motivation und Begeisterungsfähigkeit.
Die Verankerung eines Wertesystems und ein passendes Leitbild, das der Unternehmer als Vorbild vorlebt und für dessen konsequente Umsetzung er seine Mannschaft hinter sich bringt, zeichnen einen guten Unternehmer aus.

Das Interview wurde im Rahmen einer Projektarbeit von Studenten der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Furtwangen geführt (Mai 2008).

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