Priska C. Juschka (Villingen-Schwenningen)

Interview mit Priska C. Juschka (Villingen-Schwenningen)

Priska C. Juschka wurde am 20.08.1963 in Villingen-Schwenningen (im Ortsteil Schwenningen) geboren.

Sie studierte Sozialwissenschaften in Berlin und wanderte 1991 nach New York aus. Über die Etappen Schwenningen, London, Berlin festigte sich ihr Interesse an den bildenden Künsten.

In New York etablierte sie sich mit einer eigenen Galerie in der Kunstszene. Zur Webseite ihrer Galerie in Manhattan: www.priskajuschkafineart.com

meinshb.de: Was hat Sie dazu bewogen, Schwenningen zu verlassen?

Priska C. Juschka: Zunächst einmal, Schwenningen wird immer meine Heimat bleiben, daran ändert sich nichts, wo auch immer ich bin oder sein werde. Das war auch damals so, als ich Schwenningen verlassen habe (1984). Ich bin aus Neugierde und Fernweh weggegangen, weil ich wissen wollte, wie die Welt woanders aussieht.. Zunächst einmal nach London. Ein anderes Land fand ich interessant, aber es hätte auch genauso gut Frankreich etc. sein können. Fremdsprachen lagen mir nicht besonders in der Schule,(ich hatte zwar Französich Leistungskurs..) aber daran lag es wirklich nicht. Es hat vielmehr mit meinem Wesen zu tun. Ich möchte immer wissen, was danach kommt, oder bildlich gesprochen- was dahinter liegt.. Mich interessieren die Wieso, Weshalb, Warums im Leben.

meinshb.de: Was verbindet Sie heute noch mit Ihrer Heimatstadt Schwenningen?

Priska C. Juschka: Schwenningen ist immer noch meine Heimat. Meine Eltern leben dort, meine Freunde kommen ursprünglich aus Schwenningen und einige kehren auch immer wieder dorthin zurück, so wie ich..
Ich verbinde viele persönliche Dinge mit Schwenningen und glaube, dass man Prägung nicht unterschätzen sollte.. Wie man sich verhält, wie man fühlt, wie man die Welt sieht hat viel damit zu tun, woher man kommt, mit dem Ort an dem man aufgewachsen ist, mit den Menschen, die man von Kindheit an kannte.. Schwenningen hat mich geprägt und das für mein Leben lang.

meinshb.de: Wie Sind Sie als Sozialwissenschaftlerin in die Kunstszene gekommen?

Priska C. Juschka: Berlin (1985- 1991) war, nach London, eine sehr aufregende Stadt. Und eine sehr kritische Stadt, in vielerlei Hinsicht. Eine geteilte Stadt. Eine politische Stadt. Eine konfrontative Stadt.
Sozialwissenschaften zu studieren war –aus meiner Sicht- zu der Zeit das einzig Richtige. Es ging mir wieder einmal um das Wieso, Weshalb und Warum.
Die Maueröffnung (1989) hat über Nacht vieles verändert. Auch dann noch hatte ich großes Interesse an dem Wieso, Weshalb und Warum. Aber die Antworten waren überwältigend, noch schwieriger als zuvor- und regelrecht zutiefst frustrierend. Eine andere Welt, eine neue Welt, eine Welt, die sich erst noch formieren, schaffen musste..
1991 war ich zum ersten Mal für eine längere Zeit in New York. Ich liebte die Stadt und die Antworten auf das Wieso, Weshalb und Warum.
New York- der kulturelle und soziale Schmelztiegel, die offenbare Ungezwungenheit der Menschen, die Direktheit der Begegnungen. Erst später habe ich die anderen Seiten kennen gelernt..
Die Stadt befand sich im Produktiv- Rausch, die Kunstszene war die Szene, die ich am direktesten und intensivsten kennen gelernt habe. Ich war inspiriert und wollte dabei sein, mitmachen. Damals (1991) habe ich mich entschieden, nach New York zu ziehen und ein Teil von dieser Stadt zu werden; so habe ich das damals gesehen.
Die Kunst und die Kunstszene war das Vehikel dazu.

meinshb.de: Sind Sie heute da, wo Sie sich in Ihrer Jugend gesehen haben?

Priska C. Juschka: Überhaupt nicht. Ich hätte mir niemals vorstellen können, in New York zu leben. Ich hatte nie an New York gedacht. Ich hatte mir auch nicht vorgestellt, in der Kunstwelt zu arbeiten. Ich wollte immer Schriftstellerin werden.
Allerdings haben viele Elemente meines Berufs als Galeristin mit Dingen zu tun, für die ich mich auch früher interessiert habe und für die auch früher eingestanden bin, wie individueller Ausdruck und individuelle Entfaltungsmöglichkeit. Kreativität. Nonkonformistisches Denken und/ oder Lebensweise. Innovative Initiative u.v.a.

meinshb.de: In Manhattan gibt es über 500 Kunstgalerien – wie gelingt es Ihnen bei einer solchen Konkurrenz sich erfolgreich zu behaupten?

Priska C. Juschka: Was auch immer man für einen Beruf oder ein Business in Manhattan bzw. New York ausübt, es gibt immer sehr viel Konkurrenz. Das ist nicht nur im Galeriebetrieb so. Allerdings gibt sehr viele unterschiedliche Galerien, die mit sehr unterschiedlicher Kunst arbeiten. Jede Galerie muss ihre persönliche Nische oder Richtung finden, wenn sie Erfolg haben will.
Wir, als Galerie, arbeiten überwiegend mit junger Gegenwartskunst.
Unsere Künstler sind im Allgemeinen zwischen 25 und Anfang 40. Vielen geben wir die Möglichkeit einer ersten Soloshow in New York oder sogar einer ersten Soloshow überhaupt. Manche unserer Künstler kommen gerade erst von der Schule, andere haben schon entwickelte Karrieren, aber sind trotzdem noch verhältnismäßig jung. Wir verstehen uns auch als Talentschmiede. Wir wollen Kunst des 21sten Jahrhunderts zeigen. Wir suchen nach neuen Ideen und originellen Ausdrucksformen und möchten unsere Künstler aktiv dabei unterstützen, diese zu entwickeln.

meinshb.de: Wie kann man sich einen gewöhnlichen Tagesablauf von Ihnen vorstellen – gibt es das in der Kunstbranche überhaupt?

Priska C. Juschka: Ja und nein. Zum einen ist die Kunstszene sehr nomadisch. Heutzutage ist sie sehr international. Man reist automatisch relativ viel; entweder um an Messen teilzunehmen, bei Eröffnungen oder Biennalen dabeizusein oder einfach Künstler, Kollegen oder Sammler zu besuchen (wobei in diesem Fall die Reihenfolge beliebig ist). Zum anderen hat man mit einer Galerie auch die Verantwortung, vor Ort zu sein. Es ist wie mit jedem anderen Geschäft auch: die Kunden möchten den direkten Kontakt, und die Künstler ebenso. Man muss präsent sein. Wir arbeiten 6 Tage die Woche, offiziell von 10- 18 Uhr, aber inoffiziell natürlich einiges mehr. Im Grunde ist man immer im Beruf. Der Beruf wird zur Mission.

meinshb.de: Können sie sich vorstellen eines Tages wieder in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zu leben?

Priska C. Juschka: Vielleicht. Eigentlich ja, aber nicht mit dem, was ich jetzt mache. Womöglich später in meinem Leben. Es gibt sicher Dinge, die ich mir in Schwenningen oder Umgebung für mich vorstellen kann. Ich könnte mir sogar vorstellen, am öffentlichen Leben teilzunehmen.

meinshb.de: Wenn Sie an Ihre Zeit hier zurückdenken, an was erinnern Sie sich am liebsten?

Priska C. Juschka: Die Natur und die Menschen. Ich vermisse den Schwarzwald und die Baar. Die Vegetation, die Luft, den Geruch. Die langen Spaziergänge mit Freunden. Waldwanderungen. Gespräche. Lagerfeuer. Die Verbundenheit mit der Natur. Die Verbundenheit mit den Menschen. Die Verbundenheit der Menschen mit der Natur.

meinshb.de: Was vermissen Sie an dem idyllischen Kleinstadtleben hier im Vergleich zum Big Apple?

Priska C. Juschka: Ich fand Schwenningen nie idyllisch. Allerdings gibt es aber eine Verbundenheit der Menschen zu dem Ort und der Umgebung, die ich sehr schätze und die mich auch nie wirklich verlassen hat.
New York dagegen hat viel Leben zu bieten. Es pulsiert. Jeder Tag ist eine neue Erfahrung, bringt neue Aufgaben, ein ganzes Register von neuen Herausforderungen.
Das schätze ich auch sehr. Man sagt, wenn man es in New York geschafft hat, dann schafft man es überall. Da ist etwas dran. Aber so ganz stimmt es auch nicht. Es gibt Herausforderungen an einem Ort wie Schwenningen, die sich nicht einfach in New York finden lassen; und die Qualität der Zeit, der man in New York immer hinterher läuft.. Und das macht auch Lebensqualität aus.

Das Interview wurde am 21.01.2008 per e-mail von der Projektgruppe „VIP-Interviews“ der HS Furtwangen, Standort Schwenningen, durchgeführt.

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