Dr. med. Roland Ballier (Tuttlingen)

Interview mit Dr. med. Roland Ballier (Tuttlingen)

Gebürtig in Tuttlingen, studierte Dr. Roland Ballier zunächst Elektrotechnik mit Abschluss Diplom-Ingenieur und studierte danach noch Humanmedizin mit dem Abschluss als Dr. med.

Dr. Ballier ist Spezialist für präventivmedizinische Massnahmen und seit 2005 Leitender Arzt der Praxis im Fachkurhaus Seeblick Berlingen in der Schweiz.

meinsbh.de: Sie sind gebürtig aus Tuttlingen. Was verbindet Sie heute noch mit der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg?

Dr. med. Roland Ballier: Zum einen verbindet mich immer noch mein Hauptwohnsitz mit der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, zum anderen schätze ich diese Gegend insbesondere wegen des hohen Freizeitwertes und der herrlichen Landschaft, vor allem des Heubergs.

meinsbh.de: Sie haben als erstes ein Studium zum Dipl. Ing. abgeschlossen. Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium der Humanmedizin anzuschliessen, anstatt gleich in den Beruf zu gehen?

Dr. med. Roland Ballier: Schon früh haben mich besonders die Grenzbereiche aus Medizin und Technik interessiert, hier habe ich mich auch beruflich langjährig betätigt. Bis heute bin ich von der Industrie- und Handelskammer zum Sachverständigen bestellt als Spezialist für so genannte nicht-aktive Medizinprodukte und deren klinische Anwendung. Es war für mich immer eine Herausforderung, sowohl die Sprache der Medizin zu sprechen, als auch die Sprache der Technik zu verstehen.

meinsbh.de: Inwiefern unterscheiden sich nach Ihrer Erfahrung die Arbeitsbedingungen für Ärzte in der Schweiz zu denen in Deutschland?

Dr. med. Roland Ballier: Insgesamt sind die Arbeitsbedingungen in der Schweiz nicht so sehr unterschiedlich zu denen in Deutschland. Der Hauptunterschied besteht allerdings darin, dass der Umfang organisatorischer und bürokratischer Tätigkeiten für Ärzte in der Schweiz wesentlich geringer ist und demzufolge eine wesentlich größere Zuwendung zum Patienten und seinen Problemen möglich ist.

meinsbh.de: Würden Sie sich eher als Verfechter der reinen Schulmedizin bezeichnen oder wenden Sie auch alternative Heilmethoden an?

Dr. med. Roland Ballier: Alleine durch meine langjährige Tätigkeit als Notfallmediziner kann ich mich mit Fug und Recht als Verfechter der Schulmedizin bezeichnen. Allerdings hat es sich die Schulmedizin doch überwiegend zur Aufgabe gemacht, Krankheiten zu behandeln und nicht diese im Sinne der Präventivmedizin zu vermeiden. Genau hier habe ich einen persönlichen Schwerpunkt gesetzt, im Rahmen dessen ich auch so genannte komplementäre Methoden anwende. Im Unterschied zur Alternativ-Medizin, die ? wie der Name schon sagt - die Schulmedizin in Frage stellt und alternativ dazu tätig wird, ist es ein Kennzeichen der Komplementär-Medizin, dass diese die Schulmedizin ergänzt, sie grundsätzlich aber nicht in Frage stellt.

meinsbh.de: Können Sie uns das Konzept beschreiben, das Ihren Therapien zugrunde liegt? Mit welchen Beschwerden kommen die Menschen zu Ihnen?

Dr. med. Roland Ballier: Betrachtet man die Gründe, weswegen Patienten heute krank werden und eine medizinische Behandlung in Anspruch nehmen müssen, kommt man unschwer zur Erkenntnis, dass mindestens 50% der Ursachen dieser Erkrankungen in falschem Lebensstil und damit in falscher Ernährung und ungenügender Bewegung zu suchen sind. Bei all diesen Erkrankungen macht es eigentlich wenig Sinn, die Patienten mit Pharmaka zu behandeln, um damit also letztendlich Symptome zu kaschieren und nicht die eigentlichen Ursachen anzugehen. Dabei sind entsprechende Konzepte zum Teil recht einfach, allerdings bedarf es schon einer gewissen Motivation, den Lebensstil zu modifizieren, um so die Gesundheit zu stabilisieren und Krankheit vorzubeugen.

meinsbh.de: Was tun Sie selbst für Ihre Gesundheit? Würden Sie Ihre eigene Lebensweise als gesund bezeichnen?

Dr. med. Roland Ballier: Ich versuche mich gesund zu ernähren, d.h. regelmäßig Obst, Gemüse und Salat zu essen, habe den Fleischkonsum deutlich reduziert und bevorzuge stattdessen ein- bis zweimal Fisch pro Woche. Soweit es meine berufliche Tätigkeit zulässt, steht mindestens dreimal pro Woche eine halbe Stunde Sport – und zwar Ausdauersport – auf dem Programm. Parallel dazu versuche ich den altersbedingten Muskelabbau durch speziellen Kraftsport zu vermeiden.

meinsbh.de: Sie sind Berater im Gesundheitswesen und beschäftigen sich unter anderem mit dem Thema Ernährung. Welche grundlegende Regeln sind zu beachten wenn man auf eine gesunde Lebensweise Wert legt? Welche Fehler werden am häufigsten gemacht?

Dr. med. Roland Ballier: Bei den Ernährungsfehlern ist am häufigsten festzustellen, dass die Menschen zu viel an Makronährstoffen (Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate) und viel zu wenig Mikronährstoffe (Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) zu sich nehmen. Typisches Fast-Food wie auch Kartoffelchips, der so genannte Zwischendurch-Riegel, gesalzene Erdnüsse, Popcorn, Pommes Frites mit Mayonnaise und Ketchup sind nur einige wenige Bespiele, wo wir unsere gravierendsten Ernährungsfehler suchen sollten. Leere Kalorien – d.h. also Makronährstoffe ohne entsprechenden Anteil von Mikronährstoffen – sind es, die wir vermeiden sollten. Im Übrigen spricht überhaupt nichts dagegen, bestimmte Mikronährstoffe, die wir mit unserer üblichen Ernährung einfach nicht in genügender Menge aufnehmen können, durch entsprechende individuelle Präparate zu ergänzen.

meinsbh.de: Sie sind Leitender Arzt einer Praxis im Fachkurhaus Seeblick in der Schweiz. Wie sehen Ihre täglichen Arbeitszeiten aus? Haben Sie noch Zeit für Privatleben?

Dr. med. Roland Ballier: In der Regel arbeite ich täglich von 8.00 bis 18.00 Uhr, manchmal auch länger bis 20.00 Uhr, dies über 5 Tage die Woche. Zusätzlich bin ich auch am Wochenende tätig und in den Notarztdienst des Kantons Thurgau integriert. Natürlich kommt mein Privatleben damit zu kurz, trotzdem gelingt es mir, mich doch immer wieder meinen Hobbies zu widmen und – wie erwähnt – regelmäßig Sport zu betreiben.


Das Interview wurde am 13.12.2007 per Email von Matthias Beumer geführt. Matthias Beumer ist im WS 07/08 Mitglied der Projektgruppe VIP-Interviews“an der HFU Furtwangen, Standort Villingen-Schwenningen.

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