Christoph Sieber (Tuttlingen)

Interview mit Christoph Sieber (Tuttlingen)

Geboren 1970. Studierte vier Jahre Pantomime an der Folkwang Hochschule Essen und absolvierte seine Ausbildung in Schauspiel, Mime, Akrobatik, Fechten und Skateboardfahren. Sieber tourt erfolgreich als Kabarettist durch Deutschland.
Auszeichnungen: St.Ingberter Pfanne (Publikum und Jury), Heilbronner Lorbeeren, Fohlen von Niedersachsen, Melsunger Kabarettpreis (Publikum und Jury), Kabarettpreis Obernburger Mühlstein
(Publikumspreis), Rostocker Koggenzieher, Centro Comedy Star, Künstler des Jahres, Ehrenurkunde Bundesjugendspiele 1979, Deutscher Fachmedienpreis

meinsbh.de: Was verbinden Sie mit Ihrer Region?

Christoph Sieber: Heimat ist Heimat. Man liebt sie und man hasst sie.
Wie in einer guten Ehe: War man lange nicht da sehnt man sich unendlich. Und ist man drei Tage da fragt man sich, wonach man sich da eigentlich gesehnt hat.

meinsbh.de: Sie haben einen sehr außergewöhnlichen Bildungsweg eingeschlagen und Pantomime studiert. Nebenbei standen auch noch Akrobatik, Fechten und Skateboarden auf der Liste. Wie haben Ihre Eltern das aufgenommen?

Christoph Sieber: Da war natürlich großer Jubel zu Hause. Mensch, was haben wir gefeiert, die ganze Verwandtschaft lag sich in den Armen! Endlich schafft in der Familie einer das Abitur und dann studiert der Pantomime.
Nachträglich gesehen aber eine gute Entscheidung: All die, die damals Jura, Medizin oder BWL studiert haben, sind heute auf hohem Niveau arbeitslos und mir schmeißt man fürs Skateboarden, Purzelbaum schlagen und Witze reißen die Jobs hinterher.

meinsbh.de: Sie haben in Ihrem bisherigen Leben schon Einiges ausprobiert, sind mit einem Zirkus auf Tournee gegangen und haben Theater gespielt. Warum haben Sie sich letztendlich für den Berufszweig Kabarettist entschieden?

Christoph Sieber: Natürlich könnte ich jetzt davon reden, dass man als Kabarettist ja eine gesellschaftliche Aufgabe wahrnimmt, die Welt verändert und den Menschen den Spiegel vorhält und so… Aber letztendlich war es mir im Zirkuswagen nachts zu kalt und in der Theaterkantine zu warm. Jetzt bin ich mein eigener Herr und kann selbst die Temperatur bestimmen.

meinsbh.de: Sie haben die besondere Gabe Menschen zum Lachen zu bringen. Wer bringt Sie zum Lachen?

Christoph Sieber: Ich kann über alles lachen. Meist hat der Alltag die besten Witze auf Lager. Wenn mich zum Beispiel auf der Autobahn einer von hinten mit Lichthupe und dichtes Auffahren bedrängt, nur weil ich mit 60 auf der linken Spur fahre, dann lasse ich den noch eine Weile hinter mir schmoren und wenn er dann überholt dann winke ich ihm fröhlich lächelnd zu.
Das Gesicht, das der dann macht, das bringt mich zum Lachen.

meinsbh.de: Können Sie sich an das lustigste Ereignis Ihrer Laufbahn erinnern?

Christoph Sieber: Lustig ist ja immer auch eine Frage des Standpunktes.
Ich fand es jedenfalls unheimlich lustig, als mich neulich der Chef eines namhaften Unternehmens auf der Firmenfeier mit den Worten ankündigte: „Die Umsatzzahlen im vergangenen Geschäftsjahr waren ausgesprochen gut, die Auftragslage ist hervorragend und trotzdem muss ich Ihnen mitteilen, dass wir 25% der Belegschaft entlassen müssen. Und jetzt viel Spaß mit Christoph Sieber!“

meinsbh.de: Verspüren Sie als „alter Hase“ in Ihrer Branche noch Lampenfieber vor Ihren Auftritten?

Christoph Sieber: Zum Glück ja! Ohne Lampenfieber geht gar nichts. Ich liebe die Bühne und da gibt´s beim Wiedersehen halt immer Herzklopfen.

meinsbh.de: Auftritt bei 7 Tage 7 Köpfe, Kinofilm, Besteigung des Kilimandscharo, …was kommt als nächstes?

Christoph Sieber: Doppelhaushälfte, 7 Kinder und eine Hauptrolle in Hollywood. Alles schon fest eingeplant. Außerdem: Nordpolexpedition, Nobelpreis und 2010 übernehme ich dann in Niedereschach das Amt meines Vaters.

meinsbh.de: Vermissen Sie bei Ihren Touren durch Deutschland Ihr Zuhause?

Christoph Sieber: Udo Lindenberg hat mal sinngemäß gesungen „Wo ich meinen Hut hinhänge, da bin ich zu Hause“. Man lernt mit der Zeit, sein „Zuhause“ im Koffer dabei zu haben. Zuhause kann überall sein.

meinsbh.de: Wie lustig ist der private Christoph Sieber?

Christoph Sieber: Kommt drauf an: Wenn mich einer morgens um sieben aus dem Bett klingelt und mit mir über Gott sprechen will oder „oh, Entschuldigung“ den falschen Klingelknopf gedrückt hat, der kann als Antwort nicht unbedingt mit einem Ausschnitt aus meinem Programm rechnen.
Bin aber ansonsten für jeden Spaß zu haben. Allerdings sind mir ausgefallene Rollen wie Spaßkanone, Klassenkasper und Ulknudel auf Familienfeiern, Geburtstagen und Beerdigungen völlig fremd. In diesem Falle würde ich die Rolle im Sarg sogar vorziehen. Da haste wenigstens deine Ruhe.

Das Interview wurde im November 2007 per Email geführt von der Projektgruppe “Interviews mit Persönlichkeiten aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg”. Die Projektgruppe besteht aus Studenten der Betriebswirtschaftslehre der Hochschule Furtwangen (Standort: Schwenningen)

Foto Pietro Pellini. Weitere Fotos unter www.christoph-sieber.de 

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