Daniel Roth (Schramberg)

Interview mit Daniel Roth (Schramberg)

Daniel Roth, geb, 1969 in Schramberg, studierte von 1990-1997 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und arbeitet seither als freischaffender Künstler.

Seine Werke wurden mehrfach ausgezeichnet.

Seit 2007 ist Daniel Roth Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.

meinsbh.de: Was verbinden Sie mit der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg?

Daniel Roth: Ich bin in Schramberg geboren und der Schwarzwald ist meine Heimat.
Die letzten drei Jahre habe ich in Amsterdam gelebt und ich muss sagen,
dass mir die Berge gefehlt haben. Es gab aber eine unsichtbare Verbindung
in meine Heimat: angeblich sollen Teile der Stadt auf schwarzwälder Tannen stehen.

meinsbh.de: Im November 2005 haben die von der Claus Hüppe-Stiftung den Horst–Janssen– Grafik -Preis erhalten. Können Sie uns etwas über Ihr ausgezeichnetes Werk erzählen?

Daniel Roth: Den Horst Janssen Grafik Preis habe ich für meine Zeichnungen bekommen.
Kein bestimmtes Werk. Die Zeichnung war schon immer ein wichtiges Medium
in meiner Arbeit und ist der Ausgangspunkt für viele Ideen.

meinsbh.de: Wie würden Sie Ihre Kunst selbst beschreiben und einordnen?

Daniel Roth: Ich bewege mich in meiner Arbeit wie ein Reisender. Es handelt sich also
um mentale Reisen in fiktive Welten, die oft von realen Architekturen oder Landschaften ausgehen. Ich entwerfe Geschichten, vergleichbar mit einem
Romanschriftsteller. Allerdings ohne Anfang und Ende.
Nichtlineare Erzählungen, die sich als Atmosphäre ausdehnen.

meinsbh.de: Können Sie sich an Ihre ersten Werke erinnern? Wie hat sich Ihre Kunst über die Jahre hinweg entwickelt?

Daniel Roth: Mein erstes Storyboard von 1998 handelt von einer Talstadt im Schwarzwald,
die mit Beton zugegossen wurde. Einzelne ausgesuchte Häuser sind über ein weitverzweigtes Tunnelsystem erreichbar. Ich habe bisher fuenf dieser Häuser erkundet. Die erste Ausstellung bei Meyer Riegger in Karlsruhe handelte von einem
Schuhmacher namens Weller Volker, dessen geisterhafte Existenz die Schuhmacherei in eine Steinzucht verwandelt hat. Der Innenraum des Hauses ist über ein Loch in der Hauswand und Schrankrückwand erreichbar.
Die Talstadt ist eine Art Matrix für viele neue Ideen, die sich in den letzten Jahren in unterschiedlichen Medien wie Fotografie, Zeichnung und Skulptur ausgedrückt haben. Im Moment interessieren mich zeichenhafte, abstrakte Atmosphären, wie sie z.B. in Filmen von David Lynch erfunden werden.

meinsbh.de: Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg verfügt über eine vielfältige und vitale Kunstszene. Wie schätzen Sie diese ein?

Daniel Roth: Ich habe wenig Kontakt zu dieser Szene.
Meine Freunde, die ich im Schwarzwald treffe haben alle wenig mit Kunst am Hut.

meinsbh.de: Sie lehren an der staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Wie „lehrt“ man Kunst und was geben Sie Ihren Studenten mit?

Daniel Roth: Akademien können niemanden zum Künstler oder zur Künstlerin ausbilden.
Es geht um Informationen, Diskussionen und Kritik.
Den entscheidenden Schritt muss jeder selbst gehen.
Es geht um das Rästel der Idee. David Lynch vergleicht es mit dem Angeln.
Wenn Ideen wie Fische sind, dann sind die kleinen Fische einfach zu fangen.
Die großen Fische sind dagegen seltener und schwer zu fangen:
ein geheimnisvoller Vorgang,
wenn man eine große, komplizierte Idee am Haken hat.

meinsbh.de: Ihre Kunst umfasst nicht nur so genannte „prints“ , sondern auch abstrakte Modelle und Skulpturen. Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Daniel Roth: Oft von realen Reisen.

meinsbh.de: Welcher Künstler hat Sie am meisten geprägt?

Daniel Roth: Da gibt es eine unsichtbare Gesellschaft von wichtigen Leuten.
Ich kann aber niemanden besonders herausstellen.

Das Interview wurde im Dezember 2007 per Email geführt von der Projektgruppe “Interviews mit Persönlichkeiten aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg”. Die Projektgruppe besteht aus Studenten der Betriebswirtschaftslehre der Hochschule Furtwangen (Standort: Schwenningen)

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