Wolfgang Volz (Tuttlingen)
Beruf: Fotograf und Autor
Publikationen: Bücher über und mit Christo & Jeanne Claude, Man Made Planet, …
Geburtsort: Tuttlingen
Wolfgang Volz ist seit den 70ern ein wichtiger Partner an der Seite des weltberühmten Künstlerpaares Jeanne-Claude und Christo. Mal als Location-Scout, mal als technischer Leiter wird Wolfgang Volz häufig als “rechte Hand Christos” bezeichnet”
meinsbh.de: Herr Volz, an welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?
Wolfgang Volz: Im Moment arbeite ich an einem größeren Buch unter dem Arbeitstitel „PlanetScapes – Neue Landschaften unseres Planeten“. Außerdem an den beiden Projekten von Christo und Jeanne-Claude: „Over The River, Project for the Arkansas River, State of Colorado“ und „The Mastaba, Project for the United Arab Emirates”. Darüber hinaus plane ich an mehreren Ausstellungen gleichzeitig.
meinsbh.de: Aus welcher Quelle schöpfen Sie bei Ihrer Arbeit am meisten Inspiration und was fasziniert Sie am Medium Fotografie am stärksten?
Wolfgang Volz: Bei weitem am meisten inspirieren mich lange Zugfahrten und größere Reisen – das regt zum Träumen an. Außerdem gute Schriftsteller. Ich versuche so viel wie möglich zu lesen.
Das Medium Fotografie empfinde ich als eine der aufregendsten Erfindungen der letzten Jahrhunderte. Immer wieder bin ich von der Qualität fasziniert, wie sich mit Fotografie ein Thema oder ein Gefühl ganz präzise auf den Punkt bringen lässt. Fotografie ist nicht nur die Reduktion von drei Dimensionen auf zwei, sondern auch das Herausschneiden einer hauchdünnen Zeitscheibe zum richtigen Augenblick. Wenn dieser Augenblick nicht stimmt ist die Fotografie schlecht. Ganz einfach.
meinsbh.de: Seit Anfang der Siebziger arbeiten Sie mit Jeanne-Claude und Christo zusammen und werden in Kunstkreisen oft als die „rechte Hand“ und das „Auge Christos“ bezeichnet.
Wie kam die Zusammenarbeit zwischen Ihnen zustande und was verbirgt sich genau hinter diesen Bezeichnungen?
Wolfgang Volz: Wir drei haben uns 1971 auf mein Bemühen hin kennen gelernt und aus der anfänglichen professionellen Zusammenarbeit ist eine lange und tiefe Freundschaft geworden. Wir – zusammen mit meiner Frau Sylvie – sind eine eng vertraute „Arbeitsfamilie“. Dahinter verbirgt sich nicht mehr als ein unendlich tiefes Vertrauen zwischen uns allen.
meinsbh.de: Welche gemeinsamen Projekte, wie das der Verhüllung des Reichstags, das der Gates in New York und das des Arkansas River dürfen wir in Zukunft von Ihnen, Jeanne-Claude und Christo erwarten?
Wolfgang Volz: Wie schon oben erwähnt gibt es dazu noch das Mastaba-Projekt, an dem wir schon seit 1978 arbeiten. In der Altägyptischen Form der „Mastaba“ soll dem Ölzeitalter ein dauerhaftes Monument geschaffen werden. Die Skulptur aus gestapelten Ölfässern soll 300 m breit, 225 m tief und 150 m hoch werden. Sie wird im Gegensatz zu den bisherigen Kunstwerken „für immer“ stehen bleiben.
meinsbh.de: Sie sind außerdem technischer Leiter bei vielen Projekten gewesen. Welche spannenden Herausforderungen mussten Sie dabei meistern?
Wolfgang Volz: Die Arbeit als technischer Geschäftsführer bei der Verhüllung des Reichstagsgebäudes, als technischer Direktor bei den Verhüllten Bäumen in Riehen bei Basel und meine Arbeit mit allen Geweben der Projekten seit 1983, haben für mich immer eine gigantische Herausforderung bedeutet. Wie bei allem, was man ganz schnell lernen muss, ist es immer umso prickelnder, wenn es klappt und allen gefällt. Dass bei der Reichstagverhüllung 5 Millionen Besucher Freude an dem Kunstwerk hatten, war für mich eine riesige Befriedigung.
meinsbh.de: Sie sind in Tuttlingen geboren, leben jetzt in Düsseldorf. Was wissen Sie alles über Ihre Geburtsstadt oder der Region, in der Sie aufgewachsen sind/geboren worden?
Wolfgang Volz: Ich muss gestehen, dass ich von Tuttlingen herzlich wenig mitbekommen habe, weil meine Eltern – und ich – schon nach meinem ersten Lebensjahr nach Ravensburg umgezogen sind. Ich habe später einige Male Tuttlingen besucht und dort auch ausgestellt. Schwaben im weitesten Sinne ist meine Heimat, egal ob nahe dem Schwarzwald oder Oberschwaben. In Düsseldorf lebe ich eigentlich eher durch Zufall. Durch die Zusammenarbeit mit Christo und Jeanne-Claude waren für uns Kalifornien, Japan, New York, Berlin und einige andere Orte mehr, immer wieder eine Heimat auf Zeit.
meinsbh.de: Und welchen Beruf haben Sie sich als Kind am aufregendsten vorgestellt und warum?
Wolfgang Volz: Als Jugendlicher wäre ich gerne Rockmusiker geworden, habe mich auch von 1963-66 in der Rockband „The Sidetracks“ daran versucht. Das wär’s eigentlich auch gewesen, aber dann kam der Ernst des Lebens in Form eines Abiturs, das geschafft werden musste. Mir hat es immer Spaß gemacht, auf der „Bühne“ zu stehen.
meinsbh.de: Haben Sie noch andere Passionen außer der Fotografie? Wenn ja, welche?
Wolfgang Volz: Ja – einmal so richtig klug und weise zu werden.
meinsbh.de: Vielen Dank für das Interview.
[Interview geführt August/September 2007]
