Prof. Dr. Dieter Jauch (Villingen-Schwenningen)
Geboren und aufgewachsen in Villingen-Schwenningen (Ortsteil: Schwenningen)
Promovierter Biologie, Honorarprofessor
Seit 1989 Direktor der Wilhelma in Stuttgart
meinsbh.de: Sie sind schon seit 17 Jahren Direktor der Wilhelma und haben einen seltenen Beruf. Zoodirektor wird man ja schließlich nicht alle Tage. Wie kamen Sie dazu?
Prof. Dr. Dieter Jauch: Gute Frage! Eigentlich wollte ich ursprünglich etwas ganz anderes werden. Aber irgendwann begann ich ein Biologiestudium mit der Absicht, später als Gewässerbiologe zu arbeiten. Das Wasser und seine Bewohner, vor allem Fische, haben immer schon einen ungeheuren Reiz auf mich ausgeübt. Mit Fischen habe ich mich dann auch ausgiebig wissenschaftlich beschäftigt und irgendwann war die Stelle des Aquarienleiters in der Wilhelma ausgeschrieben. Dort fing ich 1980 an und bekam 1989 die Chance, die Leitung der Wilhelma insgesamt zu übernehmen. Aber streng genommen bin ich gar kein „richtiger“ Zoodirektor, weil die Wilhelma ja mehr ist: Zoo, Botanischer Garten und denkmalgeschützter Park –ein Gesamtkunstwerk.
meinsbh.de: Sie haben beruflich bedingt sozusagen 10.000 Haustiere. Haben Sie auch privat einen „ kleinen Zoo“?
Prof. Dr. Dieter Jauch: Nein. Früher habe ich auch zuhause Fische gepflegt. Aber man soll sich selbst ja nicht Konkurrenz machen wollen. Heute habe ich nur noch zwei Jack-Russel-Terrier, „Max“ und „Moritz“.
meinsbh.de: Die Wilhelma wurde 1850 durch Karl-Ludwig von Zanth im Auftrag von König Wilhelm I. von Württemberg als “Gartenhaus mit Wohngebäuden und Ziergewächshäusern im Maurischen Stil” erbaut. Seit dieser Zeit hat sie zahlreiche Veränderungen durchlebt. Was existiert heute noch aus dieser Zeit in der Wilhelma?
Prof. Dr. Dieter Jauch: Die alte Wilhelma ist 1944 in den Bombenangriffen des zweiten Weltkriegs untergegangen. Rund 95% der Baulichkeiten wurden zerstört. Wichtige Zeugnisse sind heute noch das Maurische Landhaus, das Hauptgebäude der alten Anlage, der sogen. MaurischeGarten mit seinem Wandelgang, Teile des Aquariengebäudes, Das Hofküchengebäude, in dem heute der Direktor wohnt, ein Belvedere-Pavillon und die Damaszener-Halle.
meinsbh.de: Welche Veränderungen wird es in den nächsten Jahren geben?
Prof. Dr. Dieter Jauch: Ein Zoo ist ständigem Wechsel unterworfen. Tiergehege, die gestern noch top-modern waren, sind heute schon veraltet und müssen ersetzt werden, z.B. das Menschenaffenhaus. Hier planen wir gerade eine große neue Anlage, die bis zum Frühjahr 2010 fertig gestellt sein muss.
meinsbh.de: Was hat dazu beigetragen, dass gerade der Stuttgarter Zoo die weltweit berühmteste Menschenaffenhaltung und Jungtier-Aufzuchtstätte beherbergt? War es schwierig, die Voraussetzungen dafür zu schaffen?
Prof. Dr. Dieter Jauch: Wichtigste Voraussetzung dafür war, dass wir interessierte und hochgradig motivierte Mitarbeiter haben, die sich der schwierigen Aufzucht junger Menschenaffen mit Haut und Haaren verschrieben haben, zuerst in der eigenen Wohnung, später im sogenannten Jungtieraufzuchthaus, und dass diese Menschen mehr über die ihnen anvertrauten Geschöpfe wissen wollten, als man damals wusste. Natürlich war auch die finanzielle Unterstützung unserer Arbeit durch das Land Baden-Württemberg von großer Bedeutung.
meinsbh.de: Die Serie „Eisbär, Affe & Co.“ im ZDF, eine Sendung ganz alleine nur über die Wilhelma bringt uns „Zoogeschichten aus Stuttgart“ direkt ins Wohnzimmer. Was hat Sie veranlasst, die Wilhelma auf diese Weise zu präsentieren?
Prof. Dr. Dieter Jauch: Es ist in meinen Augen eine ganz wichtige Aufgabe, Geschichten über Tiere zu erzählen, Geschichten für Tiere zu erzählen, die die Menschen für deren Probleme sensibilisieren. Dazu gehört auch, was hinter den Kulissen eines Zoos geschieht. Wir machen dorthin viele Führungen, können das aber aus Kapazitätsgründen nicht in wünschenswertem Maße. Das Medium Fernsehen erreicht viel, viel mehr Menschen. Wir glauben, dass die Doku-Soaps bei vielen Menschen Verständnis für unsere Sorgen und Aufgaben wecken.
meinsbh.de: Sie gehören dem Präsidium des Verbandes Deutscher Zoodirektoren (VDZ) an. Welche Ziele setzt sich der Verband und welche Aufgaben nehmen Sie dort wahr?
Prof. Dr. Dieter Jauch: Das ist inzwischen Vergangenheit. Ich habe dem Präsidium lange Jahre in verschiedenen Funktionen angehört, unter anderem als Vize-Präsident und Präsident, genau so dem Council des Europäischen Zooverbands, als Vorsitzender des sogenannten EEP- Committees (EEPs sind die sogenannten europäischen Erhaltungszuchtprogramme, die sich mit gefährdeten Tierarten befassen). Seit einigen Wochen bin ich jetzt nur noch einfaches VDZ-Mitglied und lasse jüngere ran.
meinsbh.de: Für ihre Besucher ist die Wilhelma Ausflugsziel, Ort der Erholung und ein Besuch eine Art des Lernens, Erfahrens und Entdeckens und einfach etwas Besonderes. Schleicht sich, wenn man tagtäglich vor Ort ist, mit der Zeit der altbekannte Alltag ein, oder bleibt trotzdem der Zauber des Ortes bestehen?
Prof. Dr. Dieter Jauch: Auf mich übt die Wilhelma auch nach über 27 Jahren Betriebszugehörigkeit Tag für Tag immer noch den Zauber aus, den sie auf mich als jungen Menschen hatte. Das heißt nicht, dass ich mich nicht auch gelegentlich gewaltig ärgere, wenn etwas schief läuft.
meinsbh.de: Und nun zum Abschluss, die obligatorische Frage: Haben Sie ein Lieblingstier ?
Prof. Dr. Dieter Jauch: Meine Lieblingstiere sind eindeutig „Max“ und „Moritz“, die unseren häuslichen Alltag gewaltig bereichern. Sie sind Familienmitglieder „ehrenhalber“!
[Interview: Juni 1007]
