Gaby Hauptmann (Trossingen)
Geboren am 14. Mai 1957 in Trossingen
Aufgewachsen in Trossingen
Journalistin, Bestsellerautorin
Titel: Suche impotenten Mann fürs Leben, Ein Liebhaber zuviel ist noch zuwenig, Hengstparade …
Verfilmungen: Nur ein toter Mann ist ein guter Mann, Ein Liebhaber zuviel ist noch zu wenig, Fünf-Sterne-Kerle inklusive, …
meinsbh.de: Als Sie damit begannen, den 1995 erschienenen Bestseller “Suche impotenten Mann fürs Leben” zu schreiben, hätten Sie zu dieser Zeit daran gedacht, dass weitere Romane dieser Art mit Titeln wie “Nur ein toter Mann ist ein guter Mann” oder “Eine Handvoll Männlichkeit” folgen würden? Oder war dies schon zu diesem frühen Zeitpunkt von Ihnen geplant?
Gaby Hauptmann: 1994 arbeitete ich für den Südwestfunk und den Hessischen Rundfunk. Ich produzierte eine Serie „Pp-Prominenz privat“ für die Hessen und drehte einige Dokumentationen – darunter eine über meinen Großvater, den Feldbergmaler Karl Hauptmann – für den damaligen SWF. Mein Weg war mir ganz klar, ich wollte weiterhin Filme machen, vielleicht auf Spielfilme umsteigen. Die Idee zu „Suche impotenten Mann fürs Leben“ kam mir an einem Nachmittag und ich setzte das Buch recht schnell um, weil ich nur wenige Wochen Drehpause hatte. Als der Ruf nach einem zweiten Buch laut wurde – möglichst eine Fortsetzung der Komödie um David und Carmen, schrieb ich das totale Antibuch „Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“, mit einer älteren, eher unsympathischen Protagonistin und einigen Todesfällen. Damit dachte ich, die Ära Buch abgeschlossen zu haben. Heute sind es 17 Bücher in 30 Ländern, viele davon von Regina Ziegler verfilmt.
meinsbh.de: Diese Romane zum Kampf der Geschlechter setzten sich auch in den Folgejahren mit Titeln wie “Ein Liebhaber zuviel ist noch zu wenig” fort. Ganz offensichtlich Bücher, die die Welt aus der Perspektive einer Frau beschreiben. Wie gehen Männer eigentlich mit Ihren Büchern um?
Gaby Hauptmann: Es kommt auf die Männer an. Aufgeschlossene Männer haben damit kein Problem, die lesen meine Bücher genauso wie Frauen und lachen darüber – oder lernen. Es gibt bei Männern ja auch den gewissen Aha-Effekt. Erinnern wir uns an die erste Cosmopolitan – die wäre von Männern nie gekauft worden, aber sie haben sie heimlich auf dem Clo gelesen, um herauszufinden, wie eine Frau tickt. Und dann gibt es natürlich auch die Männer, die ihren Frauen verbieten, zu mir zu kommen. Bei Lesungen höre ich das immer wieder – und selbstverständlich sind die Frauen da. Solche Männer gehen mir aus dem Weg, denn es könnte ja sein, dass ich ihnen im Zweifelsfall rhetorisch überlegen bin – und das, bitte, möchte kein Mann. Schon gar nicht vor seiner Frau ?
meinsbh.de: Gibt es auf der anderen Seite hingegen auch Frauen, die mit diesen Romanen nicht einverstanden sind und Ihnen dies auch mitteilen?
Gaby Hauptmann: Es gab ganz am Anfang einige Frauen, die meinten, ich würde die Frauenbewegung verraten. Ich habe nie kapiert, was sie meinen. Sehr viele Frauen schreiben mir zum Beispiel, dass ihnen „Mehr davon“ so gut getan hätte. Meistens stecken sie in irgendeiner Lebensphase, und holen sich Mut und Anregung aus meiner Biografie. Doch, da fällt mir ein konkreter Fall ein: Eine Lehrerin aus der Grundschule meiner Tochter ließ einen Schüler eines meiner Bücher in meinen Briefkasten stecken. Sie schrieb dazu, dass es das Geld nicht wert sei. Aber sie war zu feige, mir das selbst zu sagen. Ich habe sie dann angerufen, bekam sie aber nie an die Strippe.
meinsbh.de: In wie weit lassen Sie sich durch die Meinung von Buchkritikern beeinflussen? Beschäftigen Sie sich überhaupt damit oder zählt für Sie nur die Meinung Ihrer Leser?
Gaby Hauptmann: Da ich Journalistin bin und oft genug bei den Redaktionskonferenzen dabei saß, weiß ich auch, wie manche Kritiken entstehen. Kritik bedeutet im Normalfall „kritisieren“ und ein hämischer Verriss verspricht mehr Leserinteresse als eine Lobhudelei. Lobhudeleien machen den Verfasser übrigens sofort verdächtig, die Kollegen denken, er habe keine Ahnung. Überhaupt schreiben vor allem Feuilletonisten gern für die Leute aus ihrer eigenen Zunft. Die Leser kommen erst an zweiter Stelle…
Selbst bei einem recht positiven Artikel im „Spiegel“ habe ich nachher erfahren, dass die Frau des Redakteurs – die keine Journalistin ist, aber mich nicht leiden kann – zu Hause in ihrem Kämmerlein noch einige Änderungen an dem Artikel ihres Mannes angebracht hat. So kann man dann doch das Opfer einer Frau werden
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meinsbh.de: Im April 2003 lief die Verfilmung Ihres ersten Bestsellers “Suche impotenten Mann fürs Leben” in den Kinos, nachdem Sie nach Erscheinen des Romans, acht Angebote zur Verfilmung bekommen hatten. Was war das für ein Gefühl, als Sie den Film dann endlich auf großer Leinwand sehen konnten?
Gaby Hauptmann: Ach, da ich aus der Fernsehbranche komme, mache ich mich da von großen Gefühlen frei. Die Kinder haben das Laufen gelernt und ich genieße dann einfach das Produkt.
meinsbh.de: Nachdem Sie 1994 mit “Alexa, die Amazone” einen Jugendroman über eine junge Reiterin verfasst haben, sind Sie nun mit der 2005 zum ersten Mal erschienenen Buchreihe “Kaya” auf dieses Terrain zurückgekehrt. Welches Verhältnis haben Sie persönlich zu Pferden und dem Reitsport?
Gaby Hauptmann: Ich bin in Trossingen im Reitstall aufgewachsen, mein Reitlehrer Hans-Ulrich Buhk war mir wichtiger als sämtliche Lehrer und heute ist meine Tochter Valeska im Landeskader der Pony-Vielseitigkeitsreiter. Wir haben zwei Ponys (einfach mal unter www.Gaby-Hauptmann.de nachlesen) und einen jungen Trakehner. Und mein alter Württemberger Florian, heute 27 Jahre alt, steht bei Freunden in Offenstallhaltung und ist der Anführer der Herde.
meinsbh.de: Diese Buchserie entstand in enger Zusammenarbeit mit Ihrer 15-jährigen Tochter Valeska, die selbst eine begeisterte Reiterin ist. Wie verlief diese Zusammenarbeit im Hause Hauptmann? War es durchwegs harmonisch oder gab es gelegentlich auch “künstlerische Differenzen”?
Gaby Hauptmann: Mit meiner Tochter gibt es ständig Differenzen, aber das liegt eher an ihrer Pubertät als an unseren „künstlerischen Eisätzen“. Aber, Sie werden lachen, selbst diese Auseinandersetzungen helfen mir literarisch auf die Sprünge, denn Kaya ist dreizehn und hat die Marotten dieses Alters. Valeska liest meine Texte gegen, hat Anregungen und korrigiert vor allem meine Ausdrücke. Das kommt bei dieser Altersgruppe gut an, denn die Sätze sind authentisch und nicht von einer 49jährigen auf jung getrimmt.
meinsbh.de: Haben Sie nach dieser Rückkehr zu Ihren Wurzeln nun wieder Lust an etwas völlig Neuem bekommen? Oder wird vielleicht schon bald die nächste Runde im “Geschlechterkampf” eingeläutet?
Gaby Hauptmann: Ich schreibe gerade an „Ran an den Mann“. Fühlen Sie sich da nicht angesprochen?
meinsbh.de: Ihre Bücher werden mittlerweile in 30 Ländern verkauft, darunter auch Brasilien, Japan und China. Gibt es dabei Länder, in denen eine besonders hohe Nachfrage beobachtet werden kann?
Gaby Hauptmann: Die typischen „Macho“-Länder sind besonders scharf auf meine Bücher. In Brasilien, Portugal, Spanien, Italien und Frankreich waren meine Bücher ewig auf der Bestsellerliste. Und in Brasilien bin ich eine volle Woche lang im 45-Minuten-Takt von Journalist zu Journalist gewandert. Der „impotente Mann“ war dort die Sensation und großer Gesprächsstoff.
meinsbh.de: Allein bis 1999 konnten Ihre Werke schon über drei Millionen Mal verkauft werden. Was liest eine so erfolgreiche Autorin eigentlich selbst? Haben Sie eine/n Lieblingsschriftsteller/in?
Gaby Hauptmann: In der Zwischenzeit sind wir bei über sechs Millionen in Deutschland – und da ich in diesem Jahr [Anm. d. R.: 2006] mit zwei Kaya-Bänden und dem neuen Buch für Piper drei Bücher geschrieben habe, nebenher noch einen Freund, eine Tochter und im Moment elf Haustiere habe, dazu die Pferde und einige Termine außer Haus, können Sie sich vielleicht ausrechnen, wie viel Zeit noch bleibt. Aber wenn ich lese, vor allem bei Flügen, lese ich gern Biografien wie „Paris war eine Frau“. Da geht es um die Künstlerinnen der zwanziger und dreißiger Jahre in Paris, oder ich lese gern gute, strategisch ausgeklügelte Krimis, die nicht blutrünstig sind, oder natürlich den neuen Martin Walser: „Angstblüte“. Den zuerst – und nicht nur, weil er mein Bodensee-Nachbar ist
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