Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer (Sulz)
verheiratet seit 1983
Sie leben auf ihrem Apfelgut in Sulz-Hopfau im Glatttal (Teilort von Sulz am Neckar)
Fernsehköche mit ihrer eigenen Sendung “Service Zeit Essen und Trinken” Kochbuchautoren und Fachjournalisten u.a. “Freundin”, “Essen und Trinken, “Stern”
meinsbh.de: Sie erreichen mit ihrer Sendung „Servicezeit Essen und Trinken“, die im WDR jeden zweiten Freitag um 18.20 Uhr ausgestrahlt wird, eine sehr hohe Einschaltquote. Was macht Ihrer Meinung nach den Erfolg Ihrer Sendung aus?
Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer: Dass wir lauter Sachen kochen, die wirklich nachvollziehbar sind, mit Zutaten, die man praktisch überall kaufen kann und mit einem Aufwand, der sich in Grenzen hält. Und trotzdem Gerichte hervorbringen, die toll schmecken, gut aussehen und mit denen man als Gastgeber eine gute Figur macht. Tatsächlich hören wir dies immer wieder von unseren Zuschauern. Und noch eins: Sie mögen uns, weil wir authentisch und glaubwürdig sind, es gefällt ihnen, wie wir miteinander umgehen. Da erkennen sich manche wieder. Durchaus in dem Spiel, das wir vor der Kamera treiben, bei dem Martina dominant und Moritz beileibe nicht unterlegen ist.
meinsbh.de: Wie entdeckten Sie Ihre Leidenschaft für Kulinarisches und Reisen? Welche Alternativen kamen für Sie in Frage ?
Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer: Leidenschaften bleiben nun mal nicht lange verborgen – der Rest hat sich entwickelt. Zuerst beschäftigten wir uns am Redaktionsschreibtisch mit den kulinarischen Themen, mit der Selbständigkeit kamen dann die Bücher hinzu, die uns auf Reisen schickten. Es befruchten sich gegenseitig alle unsere Arbeitsbereiche – das Reisen liefert uns Ideen fürs Fernsehen, die Kochkurse geben uns Gelegenheit zum direkten Kontakt mit den Zuschauern und Lesern.
meinsbh.de: Viele Dinge in der heutigen Gesellschaft unterliegen Trends. Verraten Sie uns den Trend fürs Essen 2007 ?
Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer: Mit der Globalisierung entdeckt man auf einmal wieder die Qualitäten der eigenen Umgebung. Wer Spaß am Essen hat, bekommt früher oder später auch Lust zu kochen und macht sich immer mehr auf die Suche nach guten Zutaten. Dabei ist der Weg das Ziel – das Aufspüren besonderer Produkte ist bereits ein Vergnügen und das Arbeiten damit erst recht.
Neugier und Spaß am Entdecken von Grenzen bringt neue Koch- und Garmethoden – trotzdem glauben wir, dass all der Hype um das molekulare Kochen eher eine Modeerscheinung bleiben wird. Warum soll man sich darum bemühen allerbeste Zutaten zu finden, wenn man sie dann denaturiert und bis zur Unkenntlichkeit verändert. Die Vielfalt der Texturen, die sich auf „herkömmlichen“ Wegen erzielen lassen, ist nahezu unendlich – das machen uns die Chinesen seit Jahrtausenden vor. Es genügt also, bei ihnen in die Töpfe oder den Wok zu schauen, statt mit Stickstoff oder Weltraumtemperaturen zu arbeiten, eine doch eher unsinnliche Verwissenschaftlichung der ganzen Sache. Trotzdem: Kochen ist Physik und Chemie und die Zusammenhänge zu ergründen und darüber Bescheid zu wissen, sollte selbstverständlich sein. Und ganz gewiss wird einiges der heute als sensationell empfundenen Methoden auch ins allgemeine Repertoire übergehen.
meinsbh.de: Es heißt „Männer sind die besseren Köche“. Wer gibt bei Ihnen in der Küche den Ton an ?
Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer: Wer behauptet das? Wir finden vielmehr, dass es meist die Frauen sind, die besser, die intuitiver kochen, die Dinge besser in einen Zusammenhang stellen – übrigens nicht unbedingt Frauensache, sondern vielmehr der Tatsache geschuldet, dass die meisten Frauen Autodidakten sind. Weshalb man diese zuvor gerühmten Eigenschaften auch sehr häufig bei männlichen Autodidakten findet… Außerdem scheinen Frauen sich mit ihrer Küche nicht so bedeutend aufplustern zu wollen wie die männlichen Pfauen, bei denen oft das Imponiergehabe zu höchst komplizierten und verkopften Lösungen führt!
Bei uns gibt der in der Küche den Ton an, der die Verantwortung für die zuzubereitende Mahlzeit übernommen hat – mal er, mal sie; meistens sie.
meinsbh.de: Sie haben schon viele Länder kennen gelernt und immer wieder zieht es Sie in den kleinen Ort Hopfau im Glatttal, in dem Sie auch Ihr eigenes Apfelgut bewirtschaften, zurück. Was ist es, das Sie an dieser Gegend besonders schätzen?
Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer: Wir sind hier zu Hause! Es ist unser Lebensmittelpunkt, der Platz, an dem wir arbeiten, leben, uns wohl fühlen. Es ist die Basis unseres Lebens. Jeden Tag die Natur, das Wetter, den Fortgang der Jahreszeit erleben – es ist einfach schön hier!
meinsbh.de: Sie sind begeistert von mediterraner und asiatischer Küche. Was bedeutet für Sie „Spätzle, Braten und Soße“?
Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer: Wenn es gut gemacht ist: wunderbar! Leider gibt es ja kaum mehr die kleine Dorfwirtschaft, in der sonntags in der Bratenreine die verschiedenen Bratenstücke miteinander schmurgeln und dabei eine herrliche, echte Sauce abgeben. Und wo werden denn die Spätzle noch von Hand geschabt? Bei unserem letzten großen Fest (wir feiern alle fünf Jahre einen runden Geburtstag) gab’s Schweinebraten (von unserem Schwäbisch-Hällischen Schwein), dazu aus Knochen und Wurzelwerk und Parüren angesetzte Bratensauce und ein befreundeter Koch schabte für die hundert Gäste bergeweise Spätzle vom Brett in einen riesigen Waschkessel – alle waren begeistert.
